Beerdigungskosten – Wer zahlt und wie teuer ist die Bestattung?

Nur die wenigsten befassen sich im Vorfeld mit dem Thema Beerdigung. Im plötzlich auftretenden Todesfall sind die meisten überrascht, welche Kosten Bestatter, Grabstein vom Steinmetz und Friedhofsgebühren mit sich bringen. Unvorbereitet überschreiten die Beerdigungskosten oftmals die finanziellen Möglichkeiten der Hinterbliebenen. Allein im letzten Jahr sind die Sozialämter mit 61.7 Millionen Euro für die Beerdigungskosten von über 23.000 Verstorbene aufgekommen.

Die Beerdigungskosten umfassen zahlreiche Leistungen, von denen die kostspieligen vor allem in den Pflichtleistungen zu finden und vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind. Doch auf eine Beerdigung ist nicht zu verzichten, denn diese ist nach § 15 Abs. 1 des Bestattungsgesetzes vorgeschrieben. Umfassende Informationen zu der Zusammensetzung der Bestattungskosten in Deutschland haben wir in unserem Ratgeber-Artikel zusammengetragen.

Kosten einer Beerdigung

Was kostet eine Beerdigung?

Die Kosten einer Beerdigung sind davon abhängig, welche Vorstellungen und Wünsche für die Beisetzung bestehen. Die günstigste Variante findet sich mit einer anonymen Bestattung, wenngleich die zusätzlichen Kosten diese Begräbnisart teuer gestalten lassen. Bei einer Beerdigung sind mit mindestens 2.000 Euro zu rechnen.

Beerdigungskosten

Was kostet eine Beerdigung in Deutschland?

Die durchschnittlichen Kosten befinden sich im Bereich von 4.500 Euro für eine einfache Erdbestattung. Bei ausgefalleneren Wünschen fallen in der mittleren Preisklasse um die 7000 Euro für die Bestattungskosten an.

Zusammensetzung der Beerdigungskosten

Was zählt zu den Kosten einer Beerdigung?

Die Beerdigungskosten richten sich nach Pflichtleistungen und frei wählbare Leistungen. Zu den Pflichtleistungen zählen zum Beispiel Urkunden, die Beisetzung sowie Friedhofs- sowie Grabkosten. Frei wählbar sind hingegen

  • die Art der Beisetzung: beispielsweise Erd- oder Feuerbestattung
  • die Art des Grabes: normales Grab, Familiengrab, anonymes Grab
  • Art des Sarges: Qualität und Ausstattung des Sarges, Urne

Zudem ist der Ort der Bestattung für die Kosten relevant. In den einzelnen Bundesländern sowie in den verschiedenen Gemeinden schwanken die Kosten insbesondere für die erforderlichen Standardleistungen des Friedhofs sowie der notwendigen Dokumente.

Übersicht der möglichen und verpflichtenden Bestattungskosten im Todesfall:

Bestattungskosten Sarg oder Urne mit oder ohne Dekoration, Trauerfeier-Begleitung, Totenbekleidung, Erledigung von Formalitäten, Totenaufbahrung, Urnenbeisetzung
Florist Blumen für Sarg oder Urne, als Dekoration bei einer Trauerfeier, Grabschmuck
Kirche und/oder Redner Trauerfeier
Gasthof Zusammentreffen der Trauergesellschaft bei Kaffee und Kuchen
Friedhofsverwaltung Kosten für die Grabstätte, Beisetzungsgebühr, ggf. Nutzung der Trauerhalle, Genehmigung für das Grabmal
Steinmetz Grabstein, Transport zum Grab, Aufstellen
Friedhofsgärtner Erstanlage, ggf. Erstbepflanzung, auf Wunsch Grabpflege
Krematorium Feuerbestattung
Bekanntgabe Traueranzeige, Trauerkartenversand

Die einfache Beerdigung umfasst alle notwendigen Leistungen, welche nicht zu umgehen sind. Dies beginnt bei einfachen Angeboten des Bestatters und endet in mit einer Kaffeetafel im Kreise von fünf bis zehn Personen. Kosten werden hier um die 2.000 Euro getragen.

Ist allerdings eine große Trauerfeier in der Trauerhalle des Friedhofs gewünscht, erhöhen sich die Kosten der Bestattung. Je nach Friedhof und Region, kommen durchschnittlich 100 Euro zusammen. Werden anstelle einer einfachen Sarg-Ausstattung hochwertige Kissen und eine Wandauskleidung gewählt, sind nochmals bis zu 300 Euro je nach Qualität und Bestatter-Angebot hinzuzurechnen. Die Beerdigungskosten können schnell in die Höhe schießen.

Berechnungs-Beispiel 1:

Mittlere Bestattungsausführung Durchschnittliche Kosten
Massiver Sarg aus Kiefer ab 800 Euro
Bestatterpflicht-Leistungen circa 2.000 Euro
Mittlere Anzahl an Blumenschmuck für Sarg, Trauerfeier und Begräbnis circa 300 Euro
Trauerredner circa 100 Euro
Friedhofsverwaltung und Kosten für ein Einzelgrab (15 Jahre) circa 1.500 Euro
Kaffeetafel für Trauergemeinde (20 Personen) circa 500 Euro
Gesamtkosten circa 5.200 Euro

Berechnungs-Beispiel 2:

Einfache Bestattungsausführung ohne Trauerfeier Durchschnittliche Kosten
Sarg aus Spanholz circa 200 Euro
Bestatterpflicht-Leistungen ohne Aufbahrung oder Trauerfeierbegleitung circa 1.000 Euro
Je ein Blumenarragement für den Sarg und das Grab circa 80 Euro
Pfarrer am Grab circa 40 Euro
Friedhofsverwaltung und Kosten für ein Einzelgrab (15 Jahre) circa 1.500 Euro
Kaffeetafel für Trauergemeinde (10 Personen) circa 250Euro
Gesamtkosten circa 3.070 Euro

Übernahme der Bestattungskosten

Wer trägt die Kosten für eine Beerdigung?

In der Regel bezahlt derjenige die Beerdigungskosten, der als Partner an der Seite des Verstorbenen stand. Allerdings werden per Gesetz die nächsten Angehörigen zur Bezahlung einer Beerdigung verpflichtet. Voraussetzung ist, dass der Angehörige auch über die notwendigen finanziellen Mittel verfügt.

Ist dies nicht der Fall, wird in Anlehnung an den Verwandtschaftsgrad jeder Angehörige zur Kostenübernahme herangezogen, bis jemand die Kosten aufgrund seiner finanziellen Lage tragen kann. Die Reihenfolge ergibt sich aus BGB § 1968 und entspricht der gesetzlichen Erbfolge. Die Rangfolge reicht bis zur dritten Instanz.

Wer muss Beerdigungskosten zahlen:

  • Erste Rangfolge des Erblassers: Ehepartner und Kinder
  • Zweite Rangfolge des Erblassers : Eltern und Geschwister – Nichten und Neffen
  • Dritte Rangfolge des Erblassers: Großeltern, Onkel und Tante

Pflichtanteil bei Beerdigungskosten

Wie viel muss ich mindestens für eine Bestattung zahlen?

Der Pflichtanteil ergibt sich aus der Erbreihenfolge und den Erbberechtigten. Der Pflichtteil liegt grundsätzlich bei der Hälfte des normalen Erbanspruchs.

Beispiel: Der Ehemann verstirbt und hinterlässt eine Ehefrau sowie zwei Kinder. Der normale Erbanteil beträgt 50 Prozent für die Ehefrau und je 25 Prozent für die Kinder. Der Pflichtanteil reduziert sich um 50 Prozent. Das bedeutet, für die Ehefrau beträgt der Pflichtanteil nur noch 25 Prozent und pro Kind werden 12.5 Prozent berechnet.

Schlägt einer der Erben das Erbe aus, fällt er aus der Zahlungspflicht für die Beerdigungskosten und sein Anteil erhöht den Erbanteil der anderen Erbberechtigten entsprechend. Hinterlässt der Verstorbene Vermögen, dürfen die Erben die Beerdigung aus diesem finanzieren, da es sich um Erbmasse handelt. Voraussetzung ist, dass vorab die Erben die Erbschaft angenommen haben.

Sollen die Beerdigungskosten von einem Bankkonto des Verstorbenen beglichen werden, ist dies bei Einigung der Erben und bei Berechtigung zur Tätigung von Abhebungen von dem Konto des Verstorbenen möglich. Die Bewilligung dazu wird über den Toten- beziehungsweise Erbschein ausgestellt.

 

Anspruch auf Sterbegeld und staatliche Unterstützung

Wann besteht für die Beerdigungskosten Anspruch auf Unterstützung?

Erklärt sich niemand zur Klärung der Gesamtkosten der Beerdigung bereit, springt das Sozialamt ein. Dies ist der Fall, wenn keine ausreichenden finanziellen Mittel bestehen oder keine Angehörigen auffindbar sind.

Beziehen die Hinterbliebenen mit Pflicht zur Kostenübernahme Hartz IV und/oder sind arbeitslos, übernimmt die Agentur für Arbeit die Beerdigungskosten in Form von Sozialgeld bzw Sozialhilfe.

Sterbegeld wird seit 2014 nicht mehr von den gesetzlichen Krankenversicherungen gewährt. Ist der Verstorbene in der Folge eines Arbeits- oder Berufsunfalls gestorben, haben die nächsten Angehörigen entsprechend ihrer Erbfolge Anspruch auf ein Sterbegeld. Dies wird aus der gesetzlichen Unfallversicherung bezahlt und beträgt derzeit 5.100 Euro beziehungsweise 4.560 Euro in den neuen Bundesländern. Gegebenenfalls sind auch Zuschüsse für die Kosten der Überführung beantragbar.

War der Verstorbene Mitglied einer Gewerkschaft, wird seitens dieser oftmals Sterbegeld gezahlt. Ebenso beinhalten einige betriebliche Renten Sterbegeld, um die Gesamtkosten einer Bestattung zu finanzieren. Das Geld wird nach dem Tod des Mitarbeiters oder ehemaligen Angestellten an den Hinterbliebenen ausgezahlt, der Anspruch auf Hinterbliebenen-Rente hat. Dabei handelt es sich um die Ehefrau oder den Ehemann. In der Regel wird Sterbegeld für rentenbezugsberechtige Angehörige gewährt. Besitzen minderjährige Kinder aus der Betriebsrente eine Waisenrente, steht ihnen das Sterbegeld zu, wenn nach der Rangfolge kein Ehepartner des Verstorbenen vorhanden ist, der Hinterbliebenenrente erhält.

Hinweis: In allen anderen Fällen wird nur Sterbegeld gezahlt, wenn der Verstorbene eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen hatte.

Möglichkeiten der Finanzierung der Beerdigungskosten

Wie kann man eine Beerdigung finanzieren?

Oft trifft ein Tod eines nahen Angehörigen überraschend ein und finanzielle Mittel stehen nicht oder nicht abrufbereit zu Verfügung, um die Beerdigung zu bezahlen. Dennoch will die Beerdigung bezahlt werden.

Die Bestattungskosten in Raten bezahlen

Stellen die Beerdigungskosten eine zu große finanzielle Belastung dar, sind zahlreiche Bestatter oftmals dazu bereit, ihre Gesamtkosten über bequemere Raten-Zahlungen begleichen zu lassen. Für die Kosten von behördlichen und städtischen Leistungen, wie Gebühren für Friedhof und Beisetzung, Urkunden oder die Feuerbestattung, ist dies meist nicht möglich. Floristen, Trauerredner oder Musiker lassen sich dagegen oftmals zu Raten-Zahlungen überreden, wenn eine angemessene Anzahlung erfolgt.

Gesamtkosten der Bestattung mit Versicherung finanzieren

Die Beerdigungskosten lassen sich zudem über Versicherungen des Verstorbenen finanzieren. Nehmen die Angehörigen das Erbe an und verpflichten sich damit zur Übernahme der Bestattungskosten, besteht auch Anspruch auf die Auszahlung von Lebensversicherungen, privaten Unfallversicherungen oder einer privat abgeschlossenen Sterbeversicherung.

Kredit für Beerdigungskosten

Oft sind keine Geldwerte aus Versicherungen des Verstorbenen zu erwarten oder die Auszahlung einer Versicherungssumme zieht sich in die Länge. Dann ist die Aufnahme eines Kredits für 30 Tage eine weitere Alternative, die Beerdigungskosten zu begleichen. Wird eine kostengünstige anonyme Beerdigung in Betracht gezogen, sind sogenannte Minikredite bis meist 3.000 Euro erhältlich. Der Vorteil ist hier, dass diese auch bei einer mittleren Bonität gewährt werden.

Hausbanken fordern hingegen überwiegend Sicherheiten und setzen eine entsprechend gute Bonität voraus, bevor sie einen Kredit für die Bestattungskosten genehmigen. Allerdings ist es möglich, eine Versicherungspolice als Sicherheit zu hinterlegen. Auf diese Weise kommt es zum Beispiel zu einer Beleihung einer Lebensversicherung. Stammt diese vom Verstorbenen, haben vorab die Erbrechte nachgewiesen zu werden. Aufgrund der sechs-Wochen-Frist bis zur Ausstellung des Erbscheins kann dies jedoch ein zeitliches Problem darstellen.

Hinweis: War der Verstorbene als Beamter tätig, so bietet der Staat Beihilfen als finanzielle Unterstützung für die Kosten einer Bestattung.

Erstattung der Beerdigungskosten

Kann man sich die Kosten erstatten lassen?

Erben oder andere Angehörige haben unter Umständen einen Anspruch auf Erstattung der Beerdigungskosten gegenüber dem Sozialamt nach § 74 SGB XII. Dies ist gegeben, wenn die Bestattungskosten aus einem geringen Einkommen bestritten wurden. Wird der Antrag zur Erstattung der Kosten durch einen Erben gestellt, erhält dieser maximal eine Rückzahlung in gleichen Verhältnis des Erbanspruchs. Das bedeutet, beläuft sich das Erbe auf 25 Prozent, werden auch nur 25 Prozent der Beerdigungskosten erstattet. Dies ist unabhängig von der Höhe des Einkommens.

Eine weitere Möglich einer Kostenerstattung für eine Beerdigung besteht, wenn der Tod durch einen Unfall hervorgerufen wurde, den ein Dritter verursacht hat. In dem Fall kann der Unfallverursacher zur Übernahme der Kosten herangezogen werden. Gegebenenfalls verfügt dieser über einen Leistungsanspruch einer Haftpflicht- oder Unfallversicherung, über die die Beerdigungskosten beglichen werden können. Ansonsten ist über das Gerichtsverfahren wegen des Unfalls mit Todesfolge eine Entschädigung anzufordern, mit der die Beerdigungskosten im Nachhinein ausgeglichen werden können.

Verjährung von Beerdigungskosten

Kann die Pflicht zur Zahlung der Bestattungskosten verjähren?

Wird eine Kostenerstattung durch das Ordnungsamt angewiesen, besitzt diese eine Rechtsgültigkeit, wenn sie innerhalb von fünf Jahren geltend gemacht wird. Danach tritt die Verjährungsfrist ein. Hierbei wird das Datum der Beerdigung für die Berechnung der Verjährung zugrunde gelegt.
Wird innerhalb von fünf Jahren nach Beerdigung ein Zahlungsverfahren eingeleitet und gegebenenfalls gerichtliche Schritte eingeleitet, so verlängert sich die Verjährungsfrist entsprechend der Gegebenheiten. Wird ein Zahlungstitel erwirkt, verjährt dieser erst nach 30 Jahren.

Ansprüche auf Erstattung gegenüber dem Sozialamt verjähren laut § 45 SGB I nach vier Jahren ab dem Zeitpunkt, wo die Gründe für eine Erstattungsmöglichkeit vorlagen.

Absetzen der Kosten in der Steuer

Kann ich Beerdigungskosten in der Einkommensteuererklärung geltend machen?

Die Kosten für eine Beerdigung sind nur dann steuerlich absetzbar, wenn sie von einem Erben beglichen wurden und die Beerdigungs- und/oder fortlaufenden Kosten für beispielsweise Grabstein und Grabpflege den Erbwert überschreiten. Abzusetzen sind die Kosten dann als außergewöhnliche Belastung.

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