Privatinsolvenz: Was tun, wenn nichts mehr geht?

Wie in meinem letzten Blogbeitrag dargelegt, gelten nach Analysen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mehr als 6,5 Millionen Bundesbürger als überschuldet. Die Gründe, die Menschen in diese Situation gebracht haben, sind höchst unterschiedlich. Neben übertriebenem Konsum und zu unbesorgtem Umgang mit den eigenen Finanzen stehen Arbeitslosigkeit, Krankheit und Scheidung ganz oben auf der Liste der Ursachen für Überschuldung.

Aus solch einer Lage mit eigener Kraft wieder herauszukommen ist für viele Schuldner oft nahezu unmöglich, zumal die Verbindlichkeiten durch Mahngebühren, Verzugszinsen und Inkassokosten schnell überproportional steigen. Um wirklich neu beginnen zu können und die Schulden loszuwerden, hilft dann meist nur der Schritt in die Privatinsolvenz durch die Eröffnung eines Restschuldbefreiungsverfahrens oder Verbraucherinsolvenzverfahrens.

In einem zweiteiligen Blogbeitrag werde ich versuchen, einiges zum Thema Verbraucherinsolvenz zusammentragen. Während heute der grobe Ablauf eines Privatinsolvenzverfahrens erläutert wird, geht es in einem späteren Beitrag um Tipps für die einzelnen Schritte von der Antragstellung bis zur Restschuldbefreiung. Außerdem gibt es Informationen über die im Juli 2014 in Kraft tretenden Änderungen im Zuge der Reform des Insolvenzrechts und zur Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens.

Verbraucherinsolvenz als Chance zum Neuanfang

Die Privatinsolvenz – auch als Verbraucherinsolvenz oder vereinfachtes Insolvenzverfahren bezeichnet – gibt es seit 1999. Damals wurde das deutsche Konkursrecht durch das Insolvenzrecht abgelöst. Dieses regelt in der Verbraucherinsolvenzordnung das vereinfachte Insolvenzverfahren, welches überschuldeten Personen unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit eröffnet, nach sechs Jahren von ihren restlichen Schulden befreit zu werden. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch die Schulden vor der Eröffnung des Verfahrens waren. Allerdings ist die Zahl der Gläubiger auf maximal 20 beschränkt.

Wichtig Ausnahmen:

Es dürfen keine Verbindlichkeiten aus Beschäftigungsverhältnissen mit Arbeitnehmern vorliegen. Auch Geldstrafen oder Schadenersatzforderungen nach Straftaten wie Diebstahl, Betrug oder Körperverletzung können durch die Privatinsolvenz nicht erlassen werden. Gleiches gilt für laufende Unterhaltszahlungen

Ablauf und Ziele des Privatinsolvenzverfahrens

Nach bisher geltendem Insolvenzrecht gliedert sich das Privatinsolvenzverfahren in vier Phasen:

  • Versuch der außergerichtlichen Einigung

Das Gespräch mit den Gläubigern soll eine Einigung über einen Rückzahlungsplan oder einen Teilerlass der Schulden bringen. Allerdings müssen hier alle Gläubiger zustimmen. Wird keine Einigung erzielt, kommt es zur

  • Einleitung des gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens

Dieses folgt, wenn der Versuch der außergerichtlichen Einigung scheitert. Hier wird noch einmal von gerichtlicher Seite versucht, Gläubiger zum Einlenken zu bewegen. Scheitern auch diese Bemühungen, erfolgt die

  • Einleitung des eigentlichen Verbraucherinsolvenzverfahrens

Dies bedeutet für den Schuldner, dass der pfändbare Teil des Vermögens des Schuldners sowie der pfändbare Teil seines Einkommens gepfändet und verwertet werden. Die Einkommenspfändung – im Rahmen der Pfändungsgrenzen – erfolgt über einen Zeitraum von 6 Jahren. Die aktuelle Tabelle der Pfändungsfreigrenzen finden Sie hier. Außerdem hat sich der Schuldner innerhalb dieser Wohlverhaltensphase an verschiedene Vorgaben und Verpflichtungen zu halten. Unter anderem hat er die Pflicht, alles zu tun, um wenigstens einen Teil der Schulden abzutragen. Sofern alle Auflagen erfüllt worden sind, steht am Ende der Wohlverhaltensphase die

  • Restschuldbefreiung

Ab diesem Zeitpunkt gilt die Person als schuldenfrei.

Schuldenfrei heißt allerdings nicht, dass ihm ab jetzt wieder jegliche Möglichkeiten der Kreditaufnahme zur Verfügung stehen. Bis dies der Fall ist, vergehen mindestens noch drei Jahre ab Ende des Jahres der Restschuldbefreiung. Allerdings bleibt der negative SCHUFA-Score noch wesentlich länger erhalten.

In jedem Fall sollten Sie sich künftig sehr genau überlegen, ob es überhaupt sinnvoll ist, erneut längerfristige Zahlungsverpflichtungen in Form von Finanzierungen oder Krediten einzugehen.

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