Privatinsolvenz: Was tun, wenn nichts mehr geht?

Privatinsolvenz Hilfe und TippsPrivatinsolvenz: Was tun, wenn nichts mehr geht?

Privatinsolvenz, laut einer Analysen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform gelten mehr als 6,5 Millionen Bundesbürger als überschuldet. Die Gründe, die Menschen in diese Situation gebracht haben, sind höchst unterschiedlich. Neben übertriebenem Konsum und zu unbesorgtem Umgang mit den eigenen Finanzen stehen Arbeitslosigkeit, Krankheit und Scheidung ganz oben auf der Liste der Ursachen für Überschuldung.

Aus solch einer Lage mit eigener Kraft wieder herauszukommen ist für viele Schuldner oft nahezu unmöglich, zumal die Verbindlichkeiten durch Mahngebühren, Verzugszinsen und Inkassokosten schnell überproportional steigen. Um wirklich neu beginnen zu können und die Schulden loszuwerden, hilft dann meist nur der Schritt in die Privatinsolvenz durch die Eröffnung eines Restschuldbefreiungsverfahrens oder Verbraucherinsolvenzverfahrens.

Verbraucherinsolvenz als Chance zum Neuanfang

Die Privatinsolvenz – auch als Verbraucherinsolvenz oder vereinfachtes Insolvenzverfahren bezeichnet – gibt es seit 1999. Damals wurde das deutsche Konkursrecht durch das Insolvenzrecht abgelöst. Dieses regelt in der Verbraucherinsolvenzordnung das vereinfachte Insolvenzverfahren, welches überschuldeten Personen unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit eröffnet, nach sechs Jahren von ihren restlichen Schulden befreit zu werden. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch die Schulden vor der Eröffnung des Verfahrens waren. Allerdings ist die Zahl der Gläubiger auf maximal 20 beschränkt.

Wichtig Ausnahmen:

Es dürfen keine Verbindlichkeiten aus Beschäftigungsverhältnissen mit Arbeitnehmern vorliegen. Auch Geldstrafen oder Schadenersatzforderungen nach Straftaten wie Diebstahl, Betrug oder Körperverletzung können durch die Privatinsolvenz nicht erlassen werden. Gleiches gilt für laufende Unterhaltszahlungen

Vorbereitung und erste Schritte zum Insolvenzantrag

Spätestens wenn die regelmäßigen Ausgaben die Einnahmen dauerhaft übersteigen, ist der Gang zur Schuldnerberatung, zum Anwalt oder zu einem Steuerberater unvermeidlich. In der Regel ist die Schuldnerberatung der günstigste Weg, da hier – anders als bei anwaltlicher Hilfe – keine Beratungshonorare oder Gebühren anfallen. Allerding ist aufgrund der Nachfrage mit den längsten Wartezeiten zu rechnen. Nicht selten vergehen sechs bis acht Wochen bis zum ersten Termin.

Nach diesem ersten Beratungsgespräch über das Verfahren ist zunächst der Schuldner gefordert. Es gilt, sämtliche Gläubiger aufzulisten und die entsprechenden Verbindlichkeiten zusammenzufassen. Der Schuldenberater prüft diese Auflistung, recherchiert im Bedarfsfall in öffentlichen Registern nach eventuell vergessenen Schulden und Gläubigern und schätzt die Erfolgsaussichten für ein Verfahren auf Restschuldbefreiung ein. Anschließend sucht er das Gespräch mit den Gläubigern, um eventuelle Einigung über Schuldenerlass oder einen Entschuldungsplan zu erzielen.

Ablauf und Ziele des Privatinsolvenzverfahrens

Nach bisher geltendem Insolvenzrecht gliedert sich das Privatinsolvenzverfahren in vier Phasen:

  • Versuch der außergerichtlichen Einigung

Das Gespräch mit den Gläubigern soll eine Einigung über einen Rückzahlungsplan oder einen Teilerlass der Schulden bringen. Allerdings müssen hier alle Gläubiger zustimmen. Wird keine Einigung erzielt, kommt es zur

  • Einleitung des gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens

Dieses folgt, wenn der Versuch der außergerichtlichen Einigung scheitert. Hier wird noch einmal von gerichtlicher Seite versucht, Gläubiger zum Einlenken zu bewegen. Scheitern auch diese Bemühungen, erfolgt die

  • Einleitung des eigentlichen Verbraucherinsolvenzverfahrens

Dies bedeutet für den Schuldner, dass der pfändbare Teil des Vermögens des Schuldners sowie der pfändbare Teil seines Einkommens gepfändet und verwertet werden. Die Einkommenspfändung – im Rahmen der Pfändungsgrenzen – erfolgt über einen Zeitraum von 6 Jahren. Die aktuelle Tabelle der Pfändungsfreigrenzen finden Sie hier. Außerdem hat sich der Schuldner innerhalb dieser Wohlverhaltensphase an verschiedene Vorgaben und Verpflichtungen zu halten. Unter anderem hat er die Pflicht, alles zu tun, um wenigstens einen Teil der Schulden abzutragen. Sofern alle Auflagen erfüllt worden sind, steht am Ende der Wohlverhaltensphase die

  • Restschuldbefreiung

Ab diesem Zeitpunkt gilt die Person als schuldenfrei.

Schuldenfrei heißt allerdings nicht, dass ihm ab jetzt wieder jegliche Möglichkeiten der Kreditaufnahme zur Verfügung stehen. Bis dies der Fall ist, vergehen mindestens noch drei Jahre ab Ende des Jahres der Restschuldbefreiung. Allerdings bleibt der negative SCHUFA-Score noch wesentlich länger erhalten.

In jedem Fall sollten Sie sich künftig sehr genau überlegen, ob es überhaupt sinnvoll ist, erneut längerfristige Zahlungsverpflichtungen in Form von Finanzierungen oder Krediten einzugehen.

Das Pfändungsschutzkonto sichert aktuelles Einkommen

Einige Gläubiger versuchen oft noch vor der Eröffnung eines Privatinsolvenzverfahrens an einen Teil ihres Geldes zu kommen und streben die Pfändung des Einkommens oder eventueller Wertgegenstände an. Schuldner sind deshalb gut beraten, ein bestehendes Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umzuwandeln. Somit haben Gläubiger zunächst keinen Zugriff auf darauf befindliche Guthaben bis zur Pfändungsgrenze.
Mit der Annahme des Insolvenzantrages genießt der Schuldner sofortigen Pfändungsschutz und muss keine Befürchtungen mehr vor Gehaltspfändungen haben.
Ein positiver Nebeneffekt: der Gang zum Briefkasten wird deutlich entspannter, da Mahnungen und Inkassoandrohungen plötzlich ausbleiben.

Das Insolvenzverfahren, Treuhänder und Wohlverhaltensphase

Einige Zeit nach Antragstellung wird dann das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Gericht setzt einen Treuhänder zur Verwaltung des Vermögens des Schuldners ein. In der Regel ist dies ein Anwalt, der auf Vermögensverwaltung spezialisiert ist. Nur der Treuhänder darf das pfändbare Vermögen verwerten und ist künftig Ansprechpartner für die Gläubiger und den Schuldner.

Dazu gehört:

  • die Auskunftspflicht gegenüber dem Treuhänder,
  • Wohnungswechsel,
  • Arbeitsstelle sowie
  • Vermögens- und Einkommensverhältnisse

sind anzuzeigen und der pfändbare Einkommensanteil zur Verteilung an die Gläubiger zu überlassen. Auch ein eventuelles Erbe ist dem Treuhänder zur Hälfte zu überlassen. Arbeitslose Schuldner haben ihre Bemühungen um eine angemessene Tätigkeit nachzuweisen. Die dem Treuhänder zustehende Treuhändervergütung in Höhe von mindestens 100€ jährlich zzgl. Auslagen und USt., ist regelmäßig zu zahlen. Verstößt der Schuldner gegen seine Pflichten, kann die Restschuldbefreiung versagt werden.

Nach sechs Jahren Verbraucherinsolvenz: die Restschuldbefreiung

Die Wohlverhaltensphase endet exakt sechs Jahre nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Schuldner, die in der Wohlverhaltensphase ihren Pflichten zuverlässig nachgekommen sind, gelten ab diesem Tag als schuldenfrei.
Dies stimmt jedoch nicht ganz, denn für die gerichtliche Schuldenbereinigung, die Bestellung eines Treuhänders und die Eröffnung des Insolvenzverfahrens fallen Kosten an, die meist gestundet wurden und vom Schuldner am Ende des Verfahrens in der Regel auf Ratenbasis zu begleichen sind.

 

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