Kinderbetreuung mit Tagesmutter: Kosten & Informationen

Eine Tagesmutter oder Tagespflege ist für berufstätige Paare oder Alleinerziehende häufig die zielgenaue Lösung für die Betreuung ihrer Kinder. Manchmal schließt sie ein Zeitfenster zwischen den Öffnungszeiten der Kindertagesstätte (KiTA) und den beruflichen Anforderungen. Eine Tagesmutter versorgt Kinder mit allem, was sie im elterlichen Haushalt auch erhalten: liebevolle Zuwendung, kindgerechte Förderung und ehrliche Aufmerksamkeit.

Dazu hält sie geeignete Räumlichkeiten, Spielzeug und anderes Material bereit: Sie sind entweder angemietet oder Teil der Privatwohnung. Der Gesetzgeber definiert die Anforderungen an eine Tagesmutter genau und überprüft sie. Es handelt sich zum Teil um deutschlandweite Regelungen, gerade im Bereich der Tagesmutter Kosten. Aber auch Gesetze, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausfallen, werden geregelt. Dazu kommen noch die Gebührensätze der Kommunen, deren Jugendämter den Eltern-Beitrag berechnen.

Voraussetzungen und Ausbildung einer Tagesmutter

Für die Kinderbetreuung gilt deutschlandweit das Sozialgesetzbuch Kinder und Jugendliche (SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfegesetz). Dazu kommen die unterschiedlichen Ausführungsbestimmungen der Bundesländer. Wer mehr als 15 Stunden wöchentlich und länger als drei Monate gegen Entgelt als Tagesmutter arbeitet, benötigt eine Erlaubnis. Die Obergrenze von fünf Kindern bildet das Maximum. Das ist in § 43 des SGB VIII geregelt. Die Jugendämter der Stadt oder bei kleineren Gemeinden der Kreisverwaltung geben Tagesmüttern sowie Eltern dazu Auskunft und beantworten alle offenen Fragen. Für die Zulassung prüfen die Behörden unter anderem die persönlichen Voraussetzungen wie:

  • psychische und physische Belastbarkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Organisationsfähigkeit
  • reines polizeiliches Führungszeugnis

Ein einheitliches Berufsbild für die Tagesmutter gibt es nicht. Es existiert ein 160 Stunden umfassenden Lehrgang, in dem alles Notwendige bezüglich Entwicklung, Ernährung und Gesundheit von Baby und Kind auf dem Stundenplan steht. Das Jugendamt verzichtet auf die Teilnahme bei Interessenten, die eine geeignete pädagogische Ausbildung vorweisen wie Erzieher oder Grundschullehrer. Laut § 23 SGB VIII überprüft das Jugendamt auch die kindgerechten Räumlichkeiten der Tagesmutter. Kategorien dafür sind:

  • Unfallvorbeugung
  • Hygiene
  • Spielmöglichkeiten und -materialien
  • Erlebnisangebote in Wald oder Garten

Rechtzeitige Anmeldung bei der Tagesmutter

Wer eine Tagesmutter sucht, plant sinnvollerweise ein Jahr Vorlaufzeit ein. Viele Eltern machen sich schon beim Kinderwunsch Gedanken über die Betreuung. Die aktive Suche sollte aber erst in der Schwangerschaft oder nach der Geburt beginnen – je nachdem, wie lange Mutter oder Vater mit dem Baby zu Hause bleiben.

Der Berufsstand der Tagesmutter strukturiert seine Arbeit – ähnlich wie Schulen oder Kindertagesstätten – im Prinzip zwölf Monate im Voraus. Die Jugendämter bei Städten und Gemeinden sowie Landkreisen verfügen über Listen von Tagesmüttern, die alle erforderlichen Qualifikationen und Zulassungen besitzen. Die Eltern rechnen dann die Betreuungskosten mit dem Jugendamt ab – das bezahlt die Entlohnung für die Tagesmutter. Diese Behörden greifen ebenso auf Listen von freiberuflich tätigen Tagesmüttern zurück, die nicht direkt im Auftrag der Verwaltung oder Gemeinde arbeiten. Sie sind in ihren Betreuungszeiten flexibel und bieten vielleicht genau die Zeitfenster an, die berufstätige Eltern oder Alleinerziehende benötigen.

Die Jugendämter sind auch die Anlaufstelle für die Beantragung von öffentlichen Zuschüssen für die Tagesmutter. Bei Kindern ab sechs Monaten kommt eine Tagesmutter in Frage und wird bei gegebenen Voraussetzungen öffentlich bezuschusst. Ab dem dritten oder vierten Lebensjahr ist eine Kindertagesstätte ratsam. Die Kleinen benötigen dann für ihre Entwicklung den Austausch mit Gleichaltrigen.

Es gibt einige Grundvoraussetzungen, unter denen Jugendämter eine Tagesmutter bezuschussen: Beide Elternteile oder Alleinerziehende sind zu 50 Prozent in Arbeit, Studium oder Umschulung und das Kind benötigt mindestens sechs Wochenstunden Betreuung. Auch für Hartz IV-Empfänger gibt es Zuschüsse vom Jugendamt. Bei der Altersgrenze von maximal drei Jahren sind in begründeten Fällen Ausnahmen möglich.

Tagesmutter Kosten

Tagesmutter Kosten: Bezahlung und Zuschuss

Die Bezahlung für eine Tagesmutter und der Zuschuss vom Jugendamt sind so unterschiedlich wie die Bundesländer und die individuelle Bewertung jedes Einzelfalls. Generell gilt die Bandbreite von drei bis acht Euro pro Stunde, der Tagesmütter Bundesverband empfiehlt 5,50 Euro pro Stunde. Die Essenskosten – falls Mahlzeiten bei der Betreuung erwünscht und notwendig sind – rechnen Eltern direkt mit der Tagesmutter ab.

Bei einer Modellrechnung mit 35 Betreuungsstunden pro Woche zu je fünf Euro fallen 700 Euro Kosten pro Monat an. Ein Anspruch auf wirtschaftliche Jugendhilfe existiert für Eltern mit niedrigem Einkommen, sie müssen eventuell nichts bezahlen. Wie hoch der Zuschuss ausfällt, lässt sich mit Blick auf Kindergarten- oder Kinderkrippe-Beiträge etwa abschätzen: Er bewegt sich je nach Träger, Bundesland und individuellen Voraussetzungen zwischen 50 und 500 Euro im Monat.

Wichtig sind bei Vertragsabschluss mit der Tagesmutter neben Betreuungsaspekten und pädagogischen Prinzipien die Themen Krankheit und Urlaub: Sorgt sie als Freiberuflerin selbst für einen Ersatz oder möglicherweise das Jugendamt, für das sie arbeitet? An bezahltem Urlaub sind in diesem Beruf vier Wochen pro Jahr üblich.

Kosten für die Tagesmutter: Berechnung nach Elterneinkommen und Stundenzahl

Für die Zuschüsse zu den Kosten für die Tagesmutter ist die Gebührenordnung der Kommunen maßgeblich. Sie hängt im Wesentlichen von dem Einkommen der Eltern und den Stundenzahl für die Betreuung ab. Zur korrekten Einstufung legen die Eltern dem Jugendamt ihren Einkommenssteuer-Bescheid vor. Ein Berechnungsbeispiel aus der Stadt Köln sieht wie folgt aus. Zugrunde liegt sind ein Familieneinkommen von 36.813 Euro pro Jahr und eine U3-Betreuung mit 30 Stunden pro Woche.

Stunden Kosten
1. – 25. Stunde 5 Euro pro Stunde
26. – 30. Stunde 0,30 Euro pro Stunde

Für die ersten 25 Stunden kommen 125 Euro pro Woche zusammen – 500 Euro pro Monat.

Für die restlichen fünf Stunden ergeben sich 1,50 Euro pro Woche – sechs Euro monatlich.

Der Elternbeitrag summiert sich auf insgesamt 506 Euro im Monat, der ans Jugendamt überwiesen wird und von dort an die Tagesmutter geht. Zum Vergleich: Ein städtischer Kindergartenplatz in Köln kostet pro Monat 60 Euro. Anders sieht es bei Freiberuflern in diesem Bereich aus. Hier geht das Geld direkt an die Betreuerin, die nach Empfehlung vom Tagesmütter-Bundesverband 5,50 Euro pro Stunde berechnet. Im obigen Beispiel kommen dann bei 30 Wochenstunden 660 Euro pro Monat auf die Eltern zu. Die Tagesmutter weiß, wie hoch der Anteil ist, den möglicherweise das Jugendamt übernimmt. Weitere mögliche Kostenfaktoren für eine Tagesmutter entstehen durch:

  • Wochenend- und Nachtbetreuung
  • Hygieneartikel
  • Ausflüge
  • Feiern wie Kindergeburtstage

Tipp: Betreuungskosten für Baby und Kind sind steuerlich absetzbar: bis zu zwei Drittel, maximal jedoch 4000 Euro pro Jahr.

Elternbeitrag nach Gehaltsstufen

Als Beispiel für die Staffelung der Elternbeiträge nach dem Einkommen folgt ein Blick auf die Gebühren der Stadt Bochum in Auszügen, gültig seit dem 1. August 2017. Bis zu einem Einkommen von 17.500 Euro pro Jahr bleiben die Eltern beitragsfrei.

Jahreseinkommen Kind über zwei Jahre/25 Stunden wöchentlich
30.000 Euro 37,09 Euro pro Monat
60.000 Euro 103,02 Euro pro Monat
100.000 Euro 215,32 Euro pro Monat
über 125.000 Euro 293,62 Euro pro Monat

Die vollständige Auflistung findet sich hier.  PDF-Download

Elternbeitrag nach Betreuungszeit

Eine Staffelung der Elternbeiträge nach der wöchentlichen Betreuungszeit zeigt eine Auflistung der Stadt Nürnberg in Auszügen. Sie tritt am 1. September 2017 in Kraft.

Betreuung pro Woche Elternbeitrag
5,01 – 10 Stunden 81,70 Euro
20,01- 25 Stunden 204,25 Euro
40,01 – 45 Stunden 367,65 Euro
55,01 – 60 Stunden 490,20 Euro
Die vollständige Tabelle findet sich unter hier.

Tipp: Hilfe bei zu hohen Tagesmutter Kosten

Jedes Bundesland veranschlagt unterschiedlich hohe Kosten für eine Tagespflege. Wer nicht das Glück einer finanziellen Entlastung durch die Gemeinde oder Stadt hat, muss für die Betreuung von Baby oder Kind oft tief in die Tasche greifen. Bei plötzlichen, nicht eingeplanten Ausgaben können zur kurzfristigen Unterstützung Freunde, Familie oder Darlehen herangezogen werden. Je nach Anbieter ist sogar ein Kredit für alleinerziehende Mütter, aber auch Väter möglich.

Viele Vergünstigen bei den Kosten für eine Tagesmutter

Die angeführten Kostenbelastungen für die Eltern mögen in einigen Fällen erschreckend hoch wirken – doch der zweite Blick beruhigt: Verdient eine Familie wenig, zahlt sie geringe Beiträge und in manchen Fällen bleiben Vater und Mutter komplett beitragsfrei. Dazu kommt ein klar erkennbarer Trend: Der Staat kümmert sich immer stärker um die Kinder und sorgt für finanzielle Entlastung der Familien. In NRW, Hessen und Niedersachsen ist das letzte Jahr vor der Einschulung komplett beitragsfrei für die Eltern – in Berlin sind es sogar die letzten drei Jahre. Noch weiter geht Rheinland Pfalz: Hier erfolgt die Kinderbetreuung nach Vollendung des zweiten Lebensjahres ohne finanzielle Belastung für Vater und Mutter. In Hamburg gibt es überhaupt keine Elternbeiträge für die Kinderbetreuung mehr.

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