Verbraucherinsolvenz: Was es zu beachten gibt

Der Schritt in die Privatinsolvenz bzw. der Entschluss, einen finanziellen Neuanfang zu starten und das Verbraucherinsolvenzverfahren anzustreben, fällt sicher nicht leicht. In den meisten Fällen von Überschuldung ist dies aber der einzig gangbare Weg. Wie im letzten Beitrag beschrieben, sind auf dem Weg dahin jedoch einige Hürden zu meistern. Dieser Beitrag soll ein paar Informationen liefern, was es vor und während des Insolvenzverfahrens zu beachten gilt.

Vorbereitung und erste Schritte zum Insolvenzantrag

Verbraucherinsolvenz, was es zu beachten gibt
Tipps, wie man durch die Verbraucherinsolvenz einen finanziellen Neuanfang startet und eine Restschuldbefreiung anstrebt.

Spätestens wenn die regelmäßigen Ausgaben die Einnahmen dauerhaft übersteigen, ist der Gang zur Schuldnerberatung, zum Anwalt oder zu einem Steuerberater unvermeidlich. In der Regel ist die Schuldnerberatung der günstigste Weg, da hier – anders als bei anwaltlicher Hilfe – keine Beratungshonorare oder Gebühren anfallen. Allerding ist aufgrund der Nachfrage mit den längsten Wartezeiten zu rechnen. Nicht selten vergehen sechs bis acht Wochen bis zum ersten Termin.
Nach diesem ersten Beratungsgespräch über das Verfahren ist zunächst der Schuldner gefordert. Es gilt, sämtliche Gläubiger aufzulisten und die entsprechenden Verbindlichkeiten zusammenzufassen. Der Schuldenberater prüft diese Auflistung, recherchiert im Bedarfsfall in öffentlichen Registern nach eventuell vergessenen Schulden und Gläubigern und schätzt die Erfolgsaussichten für ein Verfahren auf Restschuldbefreiung ein. Anschließend sucht er das Gespräch mit den Gläubigern, um eventuelle Einigung über Schuldenerlass oder einen Entschuldungsplan zu erzielen.

Das Pfändungsschutzkonto sichert aktuelles Einkommen

Einige Gläubiger versuchen oft noch vor der Eröffnung eines Privatinsolvenzverfahrens an einen Teil ihres Geldes zu kommen und streben die Pfändung des Einkommens oder eventueller Wertgegenstände an. Schuldner sind deshalb gut beraten, ein bestehendes Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umzuwandeln. Somit haben Gläubiger zunächst keinen Zugriff auf darauf befindliche Guthaben bis zur Pfändungsgrenze.
Mit der Annahme des Insolvenzantrages genießt der Schuldner sofortigen Pfändungsschutz und muss keine Befürchtungen mehr vor Gehaltspfändungen haben.
Ein positiver Nebeneffekt: der Gang zum Briefkasten wird deutlich entspannter, da Mahnungen und Inkassoandrohungen plötzlich ausbleiben.

Das Insolvenzverfahren, Treuhänder und Wohlverhaltensphase

Einige Zeit nach Antragstellung wird dann das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Gericht setzt einen Treuhänder zur Verwaltung des Vermögens des Schuldners ein. In der Regel ist dies ein Anwalt, der auf Vermögensverwaltung spezialisiert ist. Nur der Treuhänder darf das pfändbare Vermögen verwerten und ist künftig Ansprechpartner für die Gläubiger und den Schuldner.
Wie im letzten Beitrag beschrieben, haben Schuldner während der Wohlverhaltensphase eine Reihe von Pflichten und Auflagen zu erfüllen.

Dazu gehört:

  • die Auskunftspflicht gegenüber dem Treuhänder,
  • Wohnungswechsel,
  • Arbeitsstelle sowie
  • Vermögens- und Einkommensverhältnisse

sind anzuzeigen und der pfändbare Einkommensanteil zur Verteilung an die Gläubiger zu überlassen. Auch ein eventuelles Erbe ist dem Treuhänder zur Hälfte zu überlassen. Arbeitslose Schuldner haben ihre Bemühungen um eine angemessene Tätigkeit nachzuweisen.
Die dem Treuhänder zustehende Treuhändervergütung in Höhe von mindestens 100€ jährlich zzgl. Auslagen und USt., ist regelmäßig zu zahlen. Verstößt der Schuldner gegen seine Pflichten, kann die Restschuldbefreiung versagt werden.

Nach sechs Jahren Verbraucherinsolvenz: die Restschuldbefreiung

Die Wohlverhaltensphase endet exakt sechs Jahre nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Schuldner, die in der Wohlverhaltensphase ihren Pflichten zuverlässig nachgekommen sind, gelten ab diesem Tag als schuldenfrei.
Dies stimmt jedoch nicht ganz, denn für die gerichtliche Schuldenbereinigung, die Bestellung eines Treuhänders und die Eröffnung des Insolvenzverfahrens fallen Kosten an, die meist gestundet wurden und vom Schuldner am Ende des Verfahrens in der Regel auf Ratenbasis zu begleichen sind.

Ab Juli 2014 schneller schuldenfrei?

Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern ist das Verfahren zur Verbraucherinsolvenz in Deutschland äußerst langwierig. Mit dem Gesetz zur Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens und zur Stärkung der Gläubigerrechte (hier der PDF-Download), das schon im Sommer dieses Jahres in Kraft tritt, ist eine Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens auf drei Jahre möglich.
Allerdings hat dieses auch seine Tücken, denn Voraussetzung ist, dass der Schuldner einen beträchtlichen Teil seiner Schulden beglichen hat. Nur wer 35% der Schulden sowie die Verfahrenskosten bezahlt hat, kann nach drei Jahren von den Restschulden befreit werden. Zahlt der Schuldner wenigstens die kompletten Verfahrenskosten, kann die Restschuldbefreiung bereits nach fünf Jahren erfolgen. Alle anderen müssen weiterhin sechs Jahre auf den pfändbaren Teil ihres Einkommens verzichten.
Egal, welche Möglichkeit der Schuldner wählt – die Entscheidung für eine Verbraucherinsolvenz ist für viele überschuldete Bürger der einzig gangbare Schritt in eine schuldenfreie Zukunft. Allein im letzten Jahr nutzten rund 130.000 Menschen diesen Weg.

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