Businessplan – Erstellen und Risiko senken ist die Devise

In der Gründungsphase eines Unternehmens raten Experten jungen Gründern zum Erstellen eines Businessplans. Dieser Tipp ist Gold wert, denn immer wieder scheitern Start-ups aufgrund mangelnder Planung. Der Software-Hersteller CB Insights untersuchte 2014 über 100 bankrott-gegangene Jungunternehmen, wobei die drei häufigsten Gründe des Scheiterns einer Existenzgründung lauten:

  1. Fehlender Bedarf am Markt (42 %): Es gab bei der Zielgruppe keine ausreichende Nachfrage für das Produkt oder die Dienstleistung.
  2. Nicht genug Kapital (29 %): Das Start-up arbeitete mit einer schlechten Finanzplanung und/oder war nicht in der Lage, ausreichend Geld aufzubringen.
  3. Nicht das richtige Team (23 %): Es wurde vor allem im geschäftlichen Bereich an Fachkräften gespart.

Ein Businessplan liefert keine Garantie, dass sich diese Fehler vermeiden lassen. Jedoch hilft er Freiberuflern, Start-ups und Gründern bei der Planung und Strukturierung der Existenzgründung und ermöglicht ein professionelles Vorgehen. So testen die angehenden Geschäftsleute ihre Idee auf Herz und Nieren, entdecken potentielle Herausforderungen und sind für den Start ins Geschäftsleben besser gewappnet.

Mit Businessplan erkennen sie schneller, wenn ihre Idee oder Strategie Lücken aufweist und (noch) nicht realistisch umsetzbar ist. Gleichzeitig gilt ein Businessplan als ein wertvolles Hilfsmittel, um Investoren, Banken, der Agentur für Arbeit oder potentiellen Geschäftspartnern die eigene Idee vorzustellen und davon zu überzeugen.

Was ist ein Businessplan?

Das englische Wort Businessplan bedeutet übersetzt Geschäftsplan. Es handelt sich um ein Dokument, das eine neue Geschäftsidee ausführlich erklärt und von allen Seiten beleuchtet. Es ist ein nützliches Instrument zur Planung und Vorbereitung eines Geschäftsvorhabens, das vor der Gründung und dem Unternehmensstart erstellt wird.

Jeder kann sich selbstständig machen – egal ob direkt nach dem Studium, aus der Arbeitslosigkeit heraus oder nach einer Tätigkeit als Angestellter. Derjenige, der sich selbstständig macht beziehungsweise ein Unternehmen gründen möchte, ist gleichzeitig Autor seines eigenen Businessplans.

Besteht ein hohes Risiko in bestimmten Bereichen oder wird eine konkrete Herausforderung während der Ausarbeitung identifiziert, kann ein Problem bereits vor der Gründung aufgegriffen und entsprechend verbessert werden. Existenzgründer bereiten mit einem Businessplan die Unternehmensgründung in der Theorie ausführlich vor. Das erleichtert später die Umsetzung in die Praxis. Der Plan ist wichtig für den professionellen und möglichst risikoarmen Start eines Unternehmens oder eines Freiberuflers.

Der Gründer senkt das Risiko für sein Vorhaben. Der Businessplan enthält inhaltlich neben einer Beschreibung der konkreten Geschäftsidee Informationen über Wettbewerbs- und Marketing-Strategien bis hin zur genauen Finanzplanung. Besonders letzteres ist wichtig – der betriebswirtschaftliche Aspekt und die Rentabilität eines Unternehmens sind zentraler Punkt eines Businessplans.

Nach der Gründung können Selbstständige immer wieder auf den Businessplan zurückgreifen und ihn als Anleitung für ihre Arbeit nutzen. Ist der Plan gut durchdacht und realistisch, bietet er eine zuverlässige Basis für den Erfolg eines Start-ups. Treten Änderungen auf, die nicht bedacht wurden, können Existenzgründer den Geschäftsplan in der Anfangszeit anpassen.

Businessplan als Grundlage für Beratungen

Eine weitere Funktion des Businessplans ist die Vorlage bei Beratungen. Wer vor oder nach der Gründung von der Erfahrung anderer Geschäftsleute profitieren möchte, kann an einem Coaching oder Mentoren-Programm teilnehmen. Diese werden teilweise für bestimmte Zielgruppen wie Studenten oder Arbeitslose angeboten. Meist dient der Businessplan als Voraussetzung für die Teilnahme. Der Mentor nutzt ihn als Basis für Empfehlungen.

Wer an einem Gründungs-Wettbewerb teilnehmen möchte, benötigt einen Businessplan. Dieser wird im Laufe des Wettbewerbs bewertet und gegebenenfalls ausgezeichnet. Es winken wichtige Leistungen wie spezielle Mentoring- und Networkingangebote sowie finanzielle Preise, die Existenzgründer zur Teilfinanzierung des Unternehmens verwenden können.

Inhalt eines Businessplans: Schritt für Schritt

Zu den wichtigen Aspekten, die in einem Businessplan enthalten sein sollten, gehören unter anderem:

  • Beschreibung der Geschäftsidee
  • eine Definition der Zielgruppe und ein Plan, wie diese erreicht werden soll
  • eine Analyse der aktuellen Marktsituation und Konkurrenz
  • ein Finanzplan
  • Überlegungen zur Unternehmensstrategie
  • eine Planung der Realisierung der Idee mit genauer Definition der zu erreichenden Meilensteine

Die einzelnen Informationen werden im Businessplan in Fließtexten erklärt. Unterstützend dazu können Stilmittel wie Listen und Tabellen verwendet werden, um beispielsweise die Finanzierung anhand konkreter Zahlen detailliert erklären zu können. Wichtig ist, dass der Businessplan übersichtlich, logisch und leicht nachvollziehbar gestaltet wird. So geht der Gründer sicher, dass Außenstehende mit dem Dokument arbeiten können.

Wie umfangreich ein Businessplan ausfällt, hängt von der Geschäftsidee und ihrer Komplexität ab. Üblich sind 15 bis 30 Seiten. Auf den letzten ein bis zwei Seiten findet sich das sogenannte Executive Summary. Es handelt sich um eine kompakte, übersichtliche Zusammenfassung aller wichtigen Aspekte des Businessplans.

SWOT-Analyse

Die SWOT-Analyse ist ein international anerkanntes Hilfsmittel zum Identifizieren von Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen eines Projekts. Dabei fließen sowohl interne Faktoren der Existenzgründung (zum Beispiel Finanzsituation, Fixkosten und Mitarbeiter) als auch externe Faktoren (zum Beispiel Marktsituation, Trends und Wettbewerb) ein. Die Eigenschaften werden in einer Tabelle angeordnet.

Besonders in der Unternehmensführung und -gründung stellt die Analyse ein nützliches Werkzeug dar. Die eigene Existenzgründung lässt sich möglichst objektiv aus verschiedenen Perspektiven beurteilen. Mit Hilfe der SWOT-Analyse identifizieren Gründer den Ist-Zustand der Idee und des Unternehmens. Anschließend lassen sich basierend auf den Ergebnissen wirkungsvolle Strategien, Pläne und Maßnahmen formulieren.

Businessplan erstellen

Es gibt keine formellen Zwangsvorgaben, weshalb jeder seinen Businessplan nach eigenen Wünschen aufbauen kann. Empfehlenswert ist es jedoch, die oben genannten Inhalte zu berücksichtigen und einzubinden, da sich diese als sinnvoll und hilfreich erwiesen haben.

Am einfachsten ist es, den Geschäftsplan per Textverarbeitungs-Programm zu erstellen. Den Finanzplan bereiten angehende Gründer am besten in einem Programm zur Tabellenkalkulation auf.

Im Internet finden Interessenten ohne Erfahrung mit Businessplänen verschiedene professionelle und umfangreiche Vorlagen zur Inspiration. Diese lassen sich als kostenlose Grundlage für den eigenen Geschäftsplan nutzen. Sie sind bereits gegliedert und enthalten alle relevanten Aspekte, weshalb der Jungunternehmer nur noch seine individuellen Daten, Zahlen und Überlegungen eintragen muss. Das spart viel Zeit bei der Recherche und der Formatierung.

Businessplan

Der Businessplan für eine Firmen oder Betriebsgründung. Planung eines Jungunternehmers.

Wichtiger Bestandteil vom Businessplan: Die Finanzplanung

Zu jedem Businessplan gehört ein Liquiditätsplan, weil ein Unternehmen Startkapital benötigt und der Gründer wissen muss, wie hoch dieses sein soll. Eine Unternehmensgründung kann nur mit ausreichend Geld vollzogen werden, weshalb der finanzielle Aspekt eines der wichtigsten Elemente innerhalb des Gründungsplans ist.

Gründer ermitteln dafür, welche Investitionen für die Existenzgründung nötig sind. Zusätzlich wird im Businessplan eine Rechnung mit den zu erwartenden Gewinnen und Verlusten erstellt. Diese Rechnung umfasst die ersten drei Geschäftsjahre nach der Gründung und beginnt mit dem geplanten Gründungsmonat.

Der Autor listet hier auf, welche Einnahmen und Ausgaben im laufenden Betrieb zu erwarten sind. Welche Umsätze mit den vorhandenen Mitarbeitern, Räumen und Hilfsmitteln überhaupt möglich wären, ist ebenfalls Bestandteil des Businessplans.

Die Gewinn- und Verlustrechnung wird für jeden Monat der drei Jahre detailliert erstellt. Grundlage für die Berechnungen sind Schätzungen, die möglichst realistisch ausfallen sollten, sowie Erfahrungen von ähnlichen Start-ups und der Konkurrenz.

Tipp

Geschäftsberichte anderer Unternehmen können als Quelle genutzt werden. Gesamtgewinne und -verluste lassen sich mit wenig Aufwand berechnen sowie grafisch darstellen. Die Tabellen und Grafiken können entweder direkt in den Fließtext des Businessplans eingebunden oder in den Anhang verlegt werden.

Übersichtliche Diagramme visualisieren die finanziellen Möglichkeiten und Risiken nicht nur für den Gründer selbst. Sie sind zugleich ein wichtiges Hilfsmittel bei der Akquise von Investoren oder bei der Präsentation der eigenen Geschäftsidee.

Übersicht der Einnahmen und Ausgaben mit dem Liquiditätsplan

Auf die Gewinn- und Verlustrechnung des Businessplans folgt eine Liquiditätsplanung. Die zuvor ermittelten und errechneten Daten zeigen, mit welcher Liquidität in den unterschiedlichen Phasen vor, während und nach der Gründung zu rechnen ist. Basierend darauf lässt sich der Kapitalbedarf ermitteln. So weiß der Gründer, welche finanziellen Mittel er dringend zur Gründung benötigt. Der Bedarf lässt sich über verschiedene Finanzierungsquellen decken.

Ist das geplante Vorhaben wirtschaftlich machbar? Die bisherige Finanzplanung beantwortet die Frage und ermöglicht die Ermittlung der Rentabilität einer Geschäftsidee. Ob und wann sich ein Unternehmen rentiert, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Kostenstruktur, der Gewinnspanne und deren Größe ab. Damit können Gründer den Businessplan samt Finanzplanung zum Beispiel Investoren, Banken oder sonstigen Kapitalgebern vorlegen, wenn sie finanzielle Mittel eintreiben möchten.

Zudem kann es nützlich sein, den eigenen theoretischen Finanzplan erneut mit Beispielen aus der eigenen Branche abzugleichen. Der Gründer sieht, ob seine Berechnungen realistisch sind und ob das Unternehmen unter den errechneten Bedingungen eine realistische Erfolgs-Chance hat bevor er später zu einem Kredit für Selbstständige greifen muss.

Inhalt und Gliederung für den Businessplan

  • Beschreibung der Geschäftsidee und des Unternehmensziels
  • Vorstellung des Gründers
  • Zielgruppendefinition
  • Marktanalyse
  • Wettbewerbsanalyse
  • Unternehmensportrait und -strategie
  • Mitarbeiterplanung
  • Liquiditäts-/Finanzplan
  • Marketing- und PR-Strategie
  • SWOT-Analyse
  • Planung der Unternehmensgründung mit zu erreichenden Meilensteinen
  • Executive Summary

Darum ist ein Finanzplan wichtig

Mit Hilfe eines Finanzplans ermitteln die Gründer den Kapitalbedarf für ihr Business. Sie wissen nun, wie viel Geld nötig ist, um Mieten, Personal- und Anschaffungskosten, Versicherungen sowie alle anderen anfallenden Kosten in der Anfangszeit zu begleichen.

Es kann an dieser Stelle hilfreich sein, verschiedene Szenarien und Sparpotentiale zu erkunden. Steht nur wenig Kapital für die Existenzgründung zur Verfügung, kann beispielsweise durch Einsparungen die finanzielle Situation verbessert werden. Ein Büro mit niedrigerer Miete, gebrauchte Möbel und ähnliches senken die Investitions- und Fixkosten unter Umständen beträchtlich. Es entsteht finanziell ein größerer Handlungsspielraum für den Gründer. Die verbesserte Rentabilität überzeugt möglicherweise auch Geschäftspartner, Banken, Gründer-Wettbewerbe und andere.

Finanzierung und Gründungszuschüsse

Nachdem Selbstständige und Gründer ihren Finanzbedarf errechnet und im Businessplan festgehalten haben, müssen sie das benötigte Startkapital auf verschiedenen Wegen auftreiben. Dessen Höhe hängt individuell vom jeweiligen Geschäftsvorhaben ab. Es gibt zahlreiche Finanzierungsarten, jedoch nutzen die meisten mehrere gleichzeitig, um ausreichend Geld für die Gründung zu erhalten.

Folgende Finanzierungsarten sind unter anderem möglich:

  • Eigenkapital: Der oder die Gründer finanzieren das eigene Unternehmen selbst
  • Aufnahme eines Kredits oder eines Darlehens über eine Bank
  • staatliche Fördermittel und Darlehen, zum Beispiel für eine Gründung aus der Arbeitslosigkeit heraus
  • Gründerstipendien, etwa für Hochschulabsolventen Gründungszuschuss
    für Selbstständige und Gründer
  • an Gründerwettbewerben teilnehmen
  • Venture Capital, das Investoren beziehungsweise Business Angel zu einem festgelegten Zinssatz an Gründer vergeben
  • Kampagne zum Crowdfunding des Projekts

Der Gründungszuschuss ist bei Menschen, die sich selbstständig machen oder ein kleines Start-up gründen wollen, eine der beliebtesten Finanzierungsmethoden. Er muss bei der Agentur für Arbeit beantragt werden, wofür der Antragsteller seine Geschäftsidee, Strategie und Erfolgsaussichten nachvollziehbar vorstellen muss. Dies gelingt am besten mit Hilfe eines professionellen Businessplans.

Gründungszuschuss

Der Gründungszuschuss ist eine staatliche Transferleistung für Gründer und Selbstständige. Alleinstehende Personen erhalten maximal 15.000 Euro, Verheiratete mit Kind maximal 18.000 Euro. Der Zuschuss wird steuerfrei gewährt und muss nicht zurückgezahlt werden.

Die Geförderten profitieren von weiteren Vorteilen wie niedrigeren Beiträgen zur Sozialversicherung sowie kostenlosen Beratungsangeboten. Um den Gründungszuschuss bei der Arbeitsagentur beantragen zu können, muss derjenige Arbeitslosengeld I beziehen. Der Antrag muss vor der Gründung abgegeben werden.

Der Businessplan: Checkliste zur Erstellung

  • Businessplan vor der Gründung erstellen, um das Risiko für Planungsfehler zu vermeiden
  • Gründer soll das Dokument selbst verfassen, um seine Idee individuell darzustellen
  • kostenlose Ressourcen aus dem Internet wie Beispiel-Pläne oder Vorlagen zur Inspiration und Erleichterung nutzen
  • Markt- und Konkurrenzanalyse, Zielgruppenanalyse sowie eigene Idee dazu nutzen, das Alleinstellungsmerkmal des Vorhabens klar herauszuarbeiten
  • Marketing-Strategie ausarbeiten
  • intensiv, selbstkritisch und realistisch mit der eigenen Idee auseinandersetzen, um Herausforderungen, Probleme, Risken und ähnliches zu identifizieren
  • erkannte Probleme lösen und Geschäftsvorhaben anpassen
  • Software zur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation nutzen
  • realistischen Kapitalbedarf ermitteln
  • mögliche Finanzierungsquellen identifizieren
  • Zeitplan für Finanzierung erstellen: Deadlines bei Wettbewerben und Stipendien beachten, Gründungszuschuss vor der Gründung beantragen etc.
  • Erstellung des Businessplans nicht als lästige Pflicht betrachten, sondern als nützliches und risikosenkendes Hilfsmittel bei der Unternehmensgründung

 

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