Liquiditätsplan – sichere Finanzplanung für eine festgelegte Planungsperiode

Die Erstellung eines Liquiditätsplans wird von den meisten Unternehmen unabhängig von ihrer Größe vorgenommen. Der Zeitraum für die Planung beträgt in der Regel 12 Monate. Grundsätzlich kann der Zeitraum jedoch variieren.

Es gibt Unternehmen, die ihre Finanzplanung für ein oder zwei Quartale aufstellen. Andere planen in einem Zeitraum von 24 Monaten. Grundsätzlich steht es einem Unternehmen frei, ob es sich für eine Liquiditätsplanung entscheidet und wie diese aufgestellt wird. Die Nutzung einer vorausschauenden Finanzplanung ist jedoch für alle Unternehmen empfehlenswert. Dies gilt insbesondere in Zeiträumen, in denen größere Investitionen getroffen werden.

Auch Freiberufler und Kleinunternehmer sind mit einer Liquiditätsplanung gut beraten. Wenn der Unternehmer weiß, wie viel Geldreserven er besitzt und welche Investitionen getätigt werden können, kann er besser wirtschaften als ohne Finanzplanung. Besonders in kleinen und mittleren Unternehmen sowie bei Freiberuflern wird die Planung häufig vernachlässigt. Das kann sich wiederum negativ auf die Liquidität auswirken.

Definition Liquiditätsplan

Hinter dem Begriff des Liquiditätsplans verbirgt sich eine recht einfache Definition. Mit dieser ist eine in der Buchhaltung einfache Vorgehensweise verbunden. Alle erwarteten Einnahmen für den Planungszeitraum werden den Kosten und Ausgaben gegenüber gestellt. Dieses Vorgehen empfiehlt sich für Existenzgründer, denn mit dem Liquiditätsplan wird erfasst, ob die geplante Selbstständigkeit eher Gewinne oder Verluste abwerfen wird. Es ist wichtig, dass ausschließlich Einnahmen protokolliert werden, mit denen sicher gerechnet werden kann. Kosten dagegen können großzügiger veranschlagt werden.

Eine sichere Auftragslage kann oftmals nicht für einen längeren Zeitraum geplant werden. Daher gibt es Liquiditätspläne, die nur einige Tage oder eine Woche im Voraus aufgestellt werden. Den Zeitraum legt der Existenzgründer individuell fest. Es gibt keine diesbezüglichen Vorschriften. Eine Liquiditätsplanung wird von Behörden wie den Finanzämtern nur in begründeten Einzelfällen gefordert. Ein Unternehmen, das tief in den roten Zahlen steckt, muss zum Beispiel einen Liquiditätsplan für den Nachweis einer Besserung der Auftragslage vorlegen.

Wichtige Fakten:

  • der Liquiditätsplan kann für einen individuell definierten Zeitraum erstellt werden
  • Einnahmen und Ausgaben werden gegenüber gestellt
  • Liquiditätsplanung ist in der Regel nicht gesetzlich vorgeschrieben

Vorteile der Erstellung eines Liquiditätsplans

Der Liquiditätsplan wird erstellt, um einen Überblick über die Zahlungskraft des Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum zu bekommen. Aus diesem Plan kann auch ein Existenzgründer auf verschiedene Weise einen Nutzen ziehen. Zum einen ermittelt er seine Geldreserven, die er in dem betreffenden Zeitraum für Investitionen zur Verfügung haben wird.

Zum anderen erkennt er jedoch auch Risiken. Wenn die Liquiditätsplanung einen Fehlbetrag ergibt, ist es für den Existenzgründer möglich, umgehend darauf zu reagieren. Er hat die Möglichkeit, Aufträge in größerer Anzahl zu generieren oder große Investitionen zu verschieben. Das Risiko einer finanziellen Schieflage oder Zahlungsausfälle werden durch eine bewusste Liquiditätsplanung verhindert. Dies ist vor allem beim Start in die Selbstständigkeit wichtig.

Die Erstellung eines Liquiditätsplans ist nicht nur für Existenzgründer, sondern für alle Unternehmen unabhängig von der Größe ratsam. Es sollten möglichst kurze Zeiträume gewählt werden.

Liquiditätsplan im Rahmen der rollierenden Planung

Es ist ratsam, den Liquiditätsplan im Rahmen einer rollierenden Planung zu erstellen. Dabei handelt es sich um eine Übersicht der Einnahmen und Ausgaben, die permanent aktualisiert wird. Die Aufstellung einer rollenden Planung ist notwendig, wenn Aufträge kurzfristig abgewickelt werden.

Für Existenzgründer ist diese Art der Planung besonders vorteilhaft, da sie erst Erfahrungen mit der sich langsam entwickelnden Auftragslage sammeln müssen. Der Liquiditätsplan kann nur auf Schätzungen beruhen, da der Existenzgründer nicht exakt weiß, wie viele Aufträge innerhalb des Planungszeitraums eingehen.

Bei der rollenden Planung wird ein Planungsziel gesetzt, das auf Erfahrungswerten in der Branche beruht. In den Jahren nach der Existenzgründung ist es hilfreich, wenn die letzten 3 Geschäftsjahre als Grundlage genommen werden. Aus dieser Zeit kann ein guter Durchschnitt ermittelt werden.

Wichtig ist die Berücksichtigung von Veränderungen. Mitunter etabliert sich Konkurrenz oder am Standort gibt es durch bauliche Maßnahmen Veränderungen, die sich auf die Umsätze und somit auf die Liquiditätsplanung auswirken. Unabhängig davon, ob sich der Existenzgründer für eine starre Liquiditätsplanung oder eine rollierende Planung entscheidet: Es wichtig, alle Eventualitäten exakt und realitätsnah zu berücksichtigen. Wurde der Liquiditätsplan geschönt, hat niemand etwas davon. Die Zahlen stimmen nicht und das Unternehmen kann trotz einer positiven Planung in Schieflage geraten.

Wichtige Fakten:

  • der Liquiditätsplan sollte nur tatsächlich zu erwartende Einnahmen enthalten
  • alle Ausgaben müssen realistisch aufgelistet werden
  • Veränderungen in der Betriebsstruktur durch innere oder äußere Maßnahmen sollten im Liquiditätsplan aufgenommen werden

Liquiditätsplan für Existenzgründer und junge Unternehmen

Die Aufstellung des ersten Liquiditätsplans erfordert fundiertes Wissen, über das Existenzgründer mitunter nicht verfügen. In diesem Fall ist es wichtig, dass Hilfen in Anspruch genommen werden. In Seminaren für die Unternehmensgründung werden die Grundlagen zur Erstellung von Geschäfts- und Liquiditätsplänen vermittelt. Wenn es die finanziellen Mittel erlauben, sollte der Gründer einen Fachmann mit der Erstellung der ersten Pläne beauftragen.

Die Investition lohnt sich in den meisten Fällen, denn ein hohes Liquiditätsdefizit kann bei jungen Unternehmen im schlimmsten Falle dazu führen, dass die Geschäftsidee scheitert. Ein realistischer Liquiditätsplan zeigt die Grenzen auf und zwingt zum Umdenken. Viele Unternehmer haben nach der Auswertung des Liquiditätsplans kleiner angefangen und waren mit dieser Strategie erfolgreich. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Existenzgründer und junge Unternehmen keinesfalls auf die Aufstellung eines Liquiditätsplans verzichten.

Aufbau des Liquiditätsplans

Der Aufbau der Liquiditätsplanung ist nicht vorgeschrieben. In der modernen Buchhaltung wird eine Tabellenkalkulation oder ein Buchführungsprogramm genutzt, das die Liquiditätsplanung erlaubt. Ein einfacher Liquiditätsplan besteht aus zwei Tabellen, in denen die zu erwartenden Einnahmen sowie die Ausgaben übersichtlich erfasst werden. Die einzelnen Posten werden benannt und in ihrem Netto-Geldwert aufgeführt.

Beim Aufbau der Liquiditätsplanung ist es wichtig, einen Betrag für Kosten einzuplanen, die zusätzlich anfallen können. Dazu gehören vor allem Reparaturen oder Personalkosten. Eine zu knappe Kalkulierung führt zu verfälschten Ergebnissen.

Vor allem zu Beginn einer Selbstständigkeit ist es nicht möglich, die Einnahmen detailliert aufzuführen. Dies gelingt nur bei Aufträgen, die vom Kunden oder Auftraggeber bestätigt wurden. Hilfreich ist es, wenn die Auftraggeber bereits bekannt sind.

Es ist von Vorteil, sichere Einnahmen im Liquiditätsplan von erwarteten Einnahmen zu trennen. Wenn die Existenzgründung auf einer gesunden Geschäftsidee beruht, reicht es aus, mit den sicheren Einnahmen zu planen. Die unsicheren Einnahmen stellen eine zusätzliche Sicherheit dar. Sie werden aber in die Ausgabenplanung nicht einbezogen. Fließen die unsicheren Einnahmen und kann der Liquiditätsplan positiv aufgestellt werden, erwirtschaftet das Unternehmen am Ende der Planungsperiode einen Gewinn.

Die Planung mit unsicheren Einnahmen stellt ein Risiko dar, das umgangen werden sollte.

Sind alle Einnahmen und Ausnahmen aufgelistet, berechnet die Tabellenkalkulation oder das Buchhaltungsprogramm einen Überschuss oder einen Minusbetrag. Anhand dieser Berechnung kann der Existenzgründer die Planung für den vorher festgelegten Zeitraum herstellen.

Wichtige Fakten:

  • moderne Liquiditätsplan erfolgt mit einer Tabellenkalkulation oder einem Buchhaltungsprogramm
  • es sollten nur sichere Einnahmen berücksichtigt werden
  • im Liquiditätsplan wird mit den Netto-Geldwerten gerechnet

liquiditaetsplan

Ziel der Liquiditätsplanung

Eine solide Liquiditätsplanung hat das Ziel, von Anfang an eine dauerhafte Liquidität herzustellen. Dies gilt nicht nur für den Planungszeitraum oder das erste Geschäftsjahr nach der Existenzgründung, sondern auch darüber hinaus. Die dauerhafte Liquidität stellt eine gute Grundlage für Investitionen jeglicher Art dar. Der Existenzgründer kommt auch dann nicht in Schwierigkeiten, wenn sich die Auftragslage für einen begrenzten Zeitraum verschlechtert.

Bei handwerklichen Betrieben ist dies häufig in der Urlaubszeit der Fall. Der Handel verzeichnet Umsatzeinbußen nach Weihnachten oder Ostern. Die Auftragslage vieler Künstler ist im Winter schlechter als im Sommer. In einer guten Liquiditätsplanung werden diese Perioden erfasst und finden Berücksichtigung. Ein gesundes Unternehmen kann diese Zeiten gut überbrücken.

Wichtige Fakten:

  • eine gute Liquiditätsplanung berücksichtigt Flauten
  • Ziel der Liquiditätsplan ist die Herstellung einer dauerhaften Zahlungsfähigkeit

Unterschied zwischen Liquiditätsplan und Fakturierung

Es gibt einen Unterschied zwischen der Aufstellung eines Liquiditätsplans und der Fakturität, die Existenzgründer kennen sollten, um richtig darauf zu reagieren. Einzelunternehmer und junge Betriebe verfügen in den Jahren nach der Gründung noch nicht über ein so hohes Maß an Erfahrung. Es kommt zu Verwechslungen zwischen der Buchhaltung und dem Liquiditätsplan.

Was bedeutet Fakturierung?

In der Buchhaltung ist Fakturierung ein anderer Begriff für die Rechnungsstellung. Eine Rechnung darf erst ausgeschrieben werden, wenn das Unternehmen die in der Rechnung bezifferte Leistung erbracht hat. Dem Kunden wird eine Frist zur Zahlung der Rechnung gesetzt. Erst wenn diese Zahlung erfolgt ist und der Kunde die Rechnung nicht beanstandet, wird der Betrag in der Buchhaltung gutgeschrieben.

Bei der Fakturierung werden nur Leistungen erfasst, die tatsächlich erbracht wurden und für die Auszahlung reif sind. Im Liquiditätsplan geht es jedoch um eine Vorplanung. Es werden auch die Leistungen und Umsätze einbezogen, die noch nicht erbracht wurden, aber aufgrund der Beauftragung durch einen Kunden erwartet werden.

Im Handel ist die Liquiditätsplanung etwas schwieriger. Es kann nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden, wie sich die Umsätze entwickeln. Dennoch sollten auch junge Unternehmen und Freiberufler, die noch nicht über ein hohes Maß an Erfahrungen verfügen, einen Liquiditätsplan zu ihrer eigenen Übersicht aufstellen.

In der Fakturierung werden tatsächlich erbrachte Leistungen erfasst, im Liquiditätsplan hingegen geplante und erwartete Leistungen.

Das gehört in einen Liquiditätsplan

Der Aufbau eines Liquiditätsplans ist nicht zwingend vorgeschrieben. Dennoch gibt es eine Struktur, die sich bewährt hat und von Kleinbetrieben und Unternehmen mit wenig Erfahrung genutzt werden kann.

Im Liquiditätsplan werden folgende Posten aufgenommen:

Einnahmen
Ausgaben
Erlöse aus den geplanten UmsätzenAufwendung für Löhne und Gehälter
Erlöse aus den EinkäufenAnschaffungskosten für Material und im Rahmen des Betriebsbedarfs
Einnahmen aus Zinsgutschriften und ProvisionenAusgaben für Versicherungen
Einnahmen aus EigenkapitalKreditzinsen
Einnahmen aus Fremdkapital (Kredit)Tilgungen, Steuern, Dividenden

Am Ende der Berechnung ergibt sich ein Liquiditätsüberschuss oder ein Liquiditätsdefizit. Ein Überschuss kann für Investitionen oder Anschaffungen von Betriebsvermögen verwendet werden. Wenn sich ein Defizit ergeben hat, sollte der Existenzgründer prüfen, ob er Ausgaben kürzen kann. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn in den Einnahmen Posten enthalten sind, die nur geschätzt, nicht aber vom Auftraggeber bestätigt worden sind.

Abschreibungen werden im Liquiditätsplan grundsätzlich nicht berücksichtigt.

Liquiditätsplan und Businessplan

Liquiditätsplan und Businessplan bilden in vielen Unternehmen eine Einheit. Im Businessplan wird eine Geschäftsidee beschrieben. Gleichzeitig wird definiert, wie die Idee finanziert und umgesetzt werden kann. In Verbindung mit einem Liquiditätsplan steht der Businessplan auf einer soliden Grundlage. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Geschäftsplan mit einem Liquiditätsplan verbunden ist, der einen Liquiditätsüberschuss ausweist.

Wer sich selbstständig machen will, ist häufig verpflichtet, einen Geschäftsplan vorzulegen. Dies wird insbesondere dann notwendig, wenn für die Geschäftsidee Kredite beansprucht oder steuerliche Vergünstigungen angeboten werden. Die Geschäftsidee muss für die Gewährung eines Kredit für Selbstständige Aussicht auf Erfolg haben. Mit einem positiven Liquiditätsplan kann diese Erfolgsstrategie unterlegt werden.

Businessplan und Liquiditätsplan sollten immer stimmig sein. Es ist wichtig, die Einnahmen zu belegen und die Ausgaben realistisch zu definieren. Wenn finanzielle Hilfen beansprucht werden, erfolgt in der Regel eine exakte Überprüfung der eingereichten Unterlagen.

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