Krankengeld – Was steht mir zu beim Arbeitsausfall?

Das Krankengeld erhält ein Arbeitnehmer von seiner gesetzlichen Krankenkasse, wenn er nachweislich länger als sechs Wochen arbeitsunfähig ist. Das Krankengeld ist daher eine Zahlung, die das eigentliche Gehalt des Versicherten ersetzen soll. Die ersten sechs Wochen einer langwierigen Krankheit zahlt der Arbeitgeber den vollen Lohn, danach wird das Krankengeld fällig.

Die Krankenkasse zahlt Krankengeld nicht nur, wenn der Arbeitnehmer selbst für längere Zeit aufgrund von Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalten sowie anderen gesundheitlichen Gründen ausfällt. Muss ein Kind für längere Zeit krankheitsbedingt betreut oder gepflegt werden, kann ein Antrag zur Zahlung von Krankengeld erfolgen. Voraussetzung hierfür ist, dass keine andere im Haushalt lebende Person diese Pflege übernehmen kann und das kranke Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet oder eine Behinderung hat.

Ziel des Krankengeldes ist, das Arbeitsentgelt zur ersetzen, wenn der bei der Krankenkasse Versicherte aus nachweisbaren Gründen nicht arbeiten kann oder für eine gewisse Zeit arbeitsunfähig ist.

Voraussetzungen fürs Krankengeld

Ab wann bekommt man Krankengeld?

Es gibt viele Gründe, für die ein Arbeitnehmer vom Arzt krankgeschrieben wird. Eine Arbeitsunfähigkeit kann zwischen wenigen Tagen bis zu vielen Wochen hin andauern. So kommen bei einem Krankenhausaufenthalt mit anschließendem Aufenthalt in einer Reha schnell mehrere Wochen zusammen.

Krankengeld

Wann bekommt man Krankengeld?

Der Arbeitgeber ist nur verpflichtet, für die ersten sechs Wochen den Lohn in voller Höhe weiterzuzahlen, wenn die Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen für diese Zeit nahtlos eingereicht wurden. Nach diesen sechs Wochen meldet sich die zuständige Krankenkasse beim Versicherten, damit das Krankengeld nach der Lohnfortzahlung gezahlt wird. Der Arbeitgeber muss keine Lohnfortzahlung mehr leisten, sollte aber regelmäßig über die weitere Arbeitsunfähigkeit informiert werden.

Übersicht: Wer zahlt das Krankengeld…

  • in den ersten sechs Wochen: der Arbeitgeber oder das Arbeitsamt
  • nach sechs Wochen: die Krankenkassen

Krankengeld beantragen – Der Ablauf

Was muss ich beachten, wenn ich Krankengeld beantrage?

  • nach sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit wird das Krankengeld gezahlt
  • die Krankschreibungen müssen ohne Unterbrechung erfolgen
  • ein Antrag ist nicht nötig, die Krankenkasse wendet sich von selbst an den Versicherten
  • Verdienstbescheinigung vom Arbeitgeber ausfüllen lassen
  • die Höhe für das Krankengeld wird ermittelt
  • weitere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung durch einen Vertragsarzt
  • Krankschreibungen nur per Einschreiben/Rückschein versenden
  • so ist der Nachweis gegeben, dass die Krankenkasse diese erhalten hat
  • Krankengeld immer rückwirkend des ersten Tages nach den sechs Wochen

Info: Manche Ärzte können ein Ende der Arbeitsunfähigkeit nicht beurteilen und lassen das Feld „voraussichtliches Ende“ auf der Krankschreibung frei oder beziffern dieses mit „bis auf Weiteres“. Laut Bundessozialgericht ist dies zulässig und die Krankenkasse muss in solchen Fällen das Krankengeld weiter bezahlen.

Dauer des Bezugs

Wie lange wird Krankengeld gezahlt?

Grundsätzlich wird das Krankengeld ohne eine zeitliche Begrenzung gezahlt. Die ersten sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber oder das Arbeitsamt für die Lohnfortzahlung bzw. die Sozialleistungen in voller Höhe. Nach dieser Zeit tritt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein.

Im Fall einer Arbeitsunfähigkeit wird das Krankengeld wegen derselben Krankheit für höchstens 78 Wochen in drei Jahren gezahlt. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Blockfrist und wird vom Tag des Beginns der Krankschreibungen gerechnet. Hierfür ist der § 48 Abs. 1 SGB V zu nennen.

Was ist eine Blockfrist?

Die Blockfrist gilt für dieselbe Krankheit. Ist ein Arbeitnehmer in den drei Jahren aufgrund derselben Krankheit mehrmals arbeitsunfähig geschrieben, werden insgesamt 78 Wochen für das Krankengeld angerechnet. Nach dem Ablauf der drei Jahre beginnt die Berechnung der 78 Wochen erneut. Die Arbeitsunfähigkeit aufgrund derselben Krankheit bedeutet jedoch nicht, dass der Arbeitgeber zwischen den einzelnen Krankschreibungen nicht wieder arbeitsfähig war. Es kann möglich sein, dass er ein halbes Jahr krankgeschrieben war, mehrere Monate wieder arbeiten konnte und danach aufgrund derselben Krankheit erneut krankgeschrieben wurde. Anders sieht dies bei verschiedenen Krankheiten aus, die nichts miteinander zu tun haben. Dann beginnt die Blockfrist von drei Jahren erneut.

Info: Der Begriff „Folgeerkrankung“ ist zweiseitig zu betrachten. Eine Folgeerkrankung kann dieselbe Krankheit sein oder eine weitere, die in Folge der ersten entstanden ist. Dies ist vor allem wichtig zur Berechnung der Blockfristen. Im ersten Fall bleibt die Blockfrist bestehen, im zweiten Fall beginnt die Blockfrist erneut am ersten Tag der Folgeerkrankung. Die drei Jahre Blockfrist können sich überschneiden.

Höhe des Krankengeldes

Wieviel Krankengeld bekomme ich?

Die zu zahlende Höhe des Krankengeldes errechnet sich nach dem monatlichen Lohn. Hiervon werden 70 Prozent vom Bruttogehalt errechnet. Es werden jedoch höchstens 90 Prozent vom Nettogehalt gezahlt. Das errechnete Krankengeld ist immer ein Nettobetrag.

Beispiel für die Krankengeld-Berechnung:

Bruttoeinkommen 2.400,00 Euro – 70 Prozent von 2400 – Zahlung Krankengeld im Monat 1.680 Euro
Bruttoeinkommen 800,00 Euro – 70 Prozent von 800 – Zahlung Krankengeld im Monat 560,00 EURO

Hierbei ist der Tageshöchstsatz von 98,88 Euro zu beachten. Im Monat werden höchstens 2.604,68 Euro an Krankengeld gezahlt. Sind die Leistungen zu gering, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, kann beim Sozialamt auch eine Aufstockung durch die „Hilfe zum Lebensunterhalt“ beantragt werden.

Höhe des Krankengelds bei Arbeitslosigkeit

Arbeitslose haben einen Anspruch auf Krankengeld, wenn sie das Arbeitslosengeld I beziehen. Die Versicherten, die Arbeitslosengeld II bzw. Hartz IV erhalten, sind von einem Anspruch auf Krankengeld ausgenommen. Hier zahlt die Bundesagentur für Arbeit auch in einem längeren Krankheitsfall die vollen Bezüge. Bei Arbeitslosengeld I erhalten die Arbeitslosen sechs Wochen lang weiter die Bezüge von der BfA, danach zahlt die Krankenkasse.

Info: Während des Bezuges von Krankengeld besteht kein Recht auf GEZ-Befreiung. Die Gebühren sind weiter zu zahlen.

Krankengeld für Personen im öffentlichen Dienst

Wer zahlt bei Beamten das Krankengeld?

Für Personen im öffentlichen Dienst gelten die gleichen Anforderungen und Leistungen zur Zahlung des Krankengeldes, wie bei allen anderen Arbeitnehmern. Die ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit zahlt der Arbeitgeber, danach übernimmt die Krankenkasse die Zahlung des Krankengeldes in Höhe von 70 % des Bruttoarbeitseinkommens.

Krankengeld bei privater Versicherung

Privat versichert – Wer zahlt das Krankengeld?

Wurde eine private Krankenversicherung abgeschlossen, zahlt diese das Krankengeld. Hierbei wird der vorab im Vertrag bezeichnete Tagessatz gezahlt. Das Krankentagegeld wird steuer- und abgabenfrei ausgezahlt. Die private Versicherung eignet sich vor allem für Selbstständige, die in einer gesetzlichen Versicherung freiwillig versichert sind. Arbeitnehmer, die im Fall einer längeren Krankheit mit dem gesetzlichen Krankengeld nicht auskommen würden, können zusätzlich eine Krankentagegeld-Versicherung abschließen.

Vorsicht: Die Krankentagegeld-Versicherung ist nicht gleichzusetzen mit der Krankenhaustagegeld-Versicherung. Das Krankenhaustagegeld wird nur während eines Krankenhausaufenthaltes gezahlt. Das Krankentagegeld wird auch gezahlt, wenn der Kranke bereits zu Hause, aber weiterhin arbeitsunfähig ist.

Krankengeld in einer geringfügigen Beschäftigung

Wer zahlt Krankengeld bei Minijob und Nebenjob?

Bei einer geringfügigen Beschäftigung erhält der Arbeitnehmer Lohn bis zu einer Höhe von 450,00 Euro monatlich. Ein solcher Job ist nicht krankenversichert. Wer krank wird, erhält jedoch den Lohn vom Arbeitgeber für die ersten sechs Wochen weiter. Ein Krankengeld wird nicht gezahlt. Daher ist es für einen geringfügig Beschäftigten sinnvoll, sich selbst in der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern oder eine private Krankenversicherung abzuschließen.

Krankengeld bei Selbstständigkeit

Bekomme ich Krankengeld, wenn ich selbstständig bin?

Wer selbstständig ist, hat grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld. Um wie Arbeitgeber einen Schutz bei einer länger andauernden Krankheit zu erhalten, müssen Selbstständige sich extra absichern. Wer sich als Selbstständiger freiwillig gesetzlich versichert, hat ab dem 43. Tag der Krankschreibung einen Anspruch auf Krankengeld. Hierzu muss allerdings der Basisschutz in die gesetzliche Krankenversicherung eingezahlt worden sein. Hinzu kommt ein Wahltarif, der den Basisschutz ersetzt oder ergänzt. Weiterhin besteht die Möglichkeit, sich bei einer privaten Krankentagegeld-Versicherung zu versichern.

Die Höhe des Krankengeldes errechnet sich wie folgt:

  • Krankengeld beträgt bei Selbstständigen 70 % des Arbeitseinkommens
  • Krankengeld wird bis zur Beitragsbemessungsgrenze gezahlt, täglich höchstens 98,88 Euro
  • im Monat höchstens 2.604,68 Euro
  • Selbstständige ohne Verdienst oder Verlust erhalten kein Krankengeld
  • oft übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen das Kinderkrankengeld bei Selbstständigen
  • das private Krankentagegeld ist abhängig vom Versicherungsvertrag

Tipp: Das Krankengeld wird erst ab dem 43. Tag übernommen, jedoch muss der gesetzlichen Krankenkasse ab dem ersten Tag die Krankschreibung vorgelegt werden.

Krankengeld in der Schwangerschaft

Besteht ein Anspruch auf Krankengeld, wenn ich schwanger bin?

In der Schwangerschaft gibt es ebenfalls einen Anspruch auf Krankengeld, unerheblich, für welche Krankheit die Schwangere arbeitsunfähig geschrieben wird. Die Krankheit kann schwangerschaftsbedingt sein oder aus anderen Gründen hervorgehen. Hat die junge Mutter jedoch entbunden und steht ihr folglich Mutterschaftsgeld zu, ist dieser Anspruch auf das Mutterschaftsgeld vorrangig zu bewerten. Der Anspruch auf das Krankengeld ruht während der Schutzfrist, wenn die Arbeitsunfähigkeit weiterhin bestehen sollte. Dennoch wird die Zeit der Zahlung des Muttergeldes in diesem Fall auf den Höchstanspruch angerechnet.

Info: In der Elternzeit wird kein Krankengeld bezogen, da der Arbeitnehmer in dieser Zeit dem Arbeitgeber nicht zur Verfügung steht und kein Lohn gezahlt wird. Geht die Erkrankung über die Elternzeit hinaus, wird das Krankengeld fällig. Für die Berechnung der Blockfrist ist der erste Tag der Krankschreibung während der Elternzeit anzurechnen.

Kinderkrankengeld

Haben Kinder Anspruch auf Krankengeld?

Es kann passieren, dass das eigene Kind krank wird und für längere Zeit zu Hause betreut werden muss. Arbeiten beide Elternteile, kann dies zu einem schwierigen Unterfangen werden. Damit Mutter oder Vater das Kind betreuen können, gibt es für den Betreuenden Geld von der Krankenkasse.

Voraussetzungen für das Kinderkrankengeld:

  • das zu betreuende Kind hat das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet
  • keiner der im Haushalt lebenden Personen kann das Kind beaufsichtigen
  • das Kind ist behindert und benötigt umfangreiche Hilfe
  • das Kind muss krankenversichert sein

Info: Das Kind selbst hat keinen Anspruch auf das Krankengeld. Dieses wird gezahlt, wenn ein Familienmitglied länger von der Arbeit fern bleiben muss, um das kranke Kind zu betreuen. Das Krankengeld steht daher dem Betreuer zu, nicht dem kranken Kind.

Unterhaltszahlungen bei Krankengeld

Muss ich Kindesunterhalt bei Krankengeld-Bezug zahlen?

Wenn für längere Zeit nur noch Krankengeld gezahlt wird, dann ist im Monat einiges an Geld weniger zur Verfügung. Trotzdem muss in diesem Fall der Unterhaltspflichtige seiner Pflicht zur Zahlung des Kindesunterhalts nachkommen. Wird dies versäumt, tritt § 48 Abs. 1 Satz SGB I ein und der Unterhaltsberechtigte kann die Unterhaltszahlung in voller Höhe oder in Teilen direkt von der Krankenkasse aus dem Krankengeld fordern. Der Betrag, der direkt dem Unterhaltsempfänger überwiesen wird, wird sodann dem monatlichen Krankengeld abgezogen.

Info: Nur wer seinen eigenen Unterhalt durch den Bezug von Krankengeld nicht mehr bestreiten kann, kann gemäß § 1603 Abs. 1 BGB von der Unterhaltsverpflichtung freigestellt werden. Dies sollte jedoch immer mit einem Rechtsanwalt besprochen werden.

Darf man während des Bezugs von Krankengeld in den Urlaub?

Unter bestimmten Bedingungen dürfen auch Krankengeldbezieher in den Urlaub fahren, solange die Gesundheit nicht gefährdet ist. Je nach Krankheit muss nicht automatisch das Bett gehütet werden. Bei dem Wunsch, trotz des Krankengelds in Urlaub zu fahren, sollte auf Folgendes geachtet werden:

  • die Reise darf sich nicht nachteilig auf Gesundheit und Genesung auswirken
  • für die Krankenkasse sollte der Bezieher von Krankengeld erreichbar bleiben
  • medizinische Termine dürfen nicht ausfallen
  • in Deutschland kann ein Urlaub problemlos erfolgen
  • für einen Urlaub im Ausland muss die Krankenkasse zustimmen
  • ansonsten kann das Krankengeld für diese Zeit gestoppt werden
  • im Vorfeld eine schriftliche Bestätigung des behandelnden Arztes einholen

Verweigerung des Krankgeld-Anspruchs

Die Krankenkasse zahlt kein Krankengeld – was nun?

Verweigert die Krankenkasse die Zahlung des Krankengeldes, ist dies in der Regel nicht zulässig, wenn fortlaufende Krankenbescheinigungen vorgelegt wurden. In einem solchen Fall sollte immer ein Rechtsanwalt hinzugezogen werden. Weitere Alternativen oder Förderungen gibt es nicht. Außer eine Schwangere ist über die Geburt hinaus krankgeschrieben, dann greift nicht mehr das Krankengeld, sondern das Mutterschaftsgeld wird vorrangig für diese Zeit gezahlt.

Verweigert die Krankenkasse die Zahlung der Beiträge und geht der Antragsteller mit seinem Anspruch vor Gericht, kann er länger ohne geregeltes Einkommen sein. Für einen solchen Fall gibt es spezielle Kredite. Ebenfalls kann die „Hilfe zum Lebensunterhalt“ bzw. Sozialhilfe beim zuständigen Sozialamt beantragt werden. Diese wird im Krankheitsfall nur genehmigt, wenn kein Krankengeld gezahlt wird und keine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit vorliegt. Bei dauerhafter Erwerbsunfähigkeit greift die „Grundsicherung bei Erwerbsminderung“.

Krankengeld in der Steuer angeben

Muss man Krankengeld in der Einkommenssteuererklärung angeben?

Krankengeld ist für die Zeit, in der es gezahlt wird, das Einkommen des Erkrankten. Das Krankengeld ist immer geringer als das normale monatlich gezahlte Gehalt und steuerfrei. Dennoch muss es in der jährlichen Steuererklärung angegeben werden. Dieses kann in der Anlage N vermerkt werden oder im Mantelbogen in der Zeile 91 (Stand 2017). Da Lohnersatzleistungen allerdings in den Progressionsvorbehalt einbezogen werden, erhöhen sie den Steuersatz für das restliche Einkommen.

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