Schulische Ausbildung finanzieren – Tipps und Finanzierungsmodelle für die Ausbildung

Bei einer schulischen Ausbildung findet im Gegensatz zur herkömmlichen keine betriebliche Ausbildung statt. Die Ausbildung zum jeweiligen Beruf erfolgt ausschließlich über eine schulische Einrichtung. Überwiegend wird diese in Berufsfachschulen absolviert. Im Fachjargon nennt sich dies vollschulische Ausbildung, die im Gegensatz zu einer normalen Ausbildung in einem Unternehmen steht.

Die schulische Berufsausbildung ist als Tagesunterricht ausführbar, wie es von einer herkömmlichen Schulklasse bekannt ist, oder aber berufsbegleitend als Abendschule zu besuchen. Manche Berufe sind nur über eine vollschulische Ausbildung zu erlernen. In einigen Branchen sind bereits vorhandene Ausbildungen durch eine schulische Ausbildung erweiterbar.

Unterschiede zwischen „normaler“ und

schulischer Ausbildung

Eine normale Ausbildung setzt sich in der Regel aus einer teilschulischen und praktischen Ausbildung in einem Betrieb oder Unternehmen zusammen. Dies wird Kombinations-Ausbildung genannt. Dabei besucht der Auszubildende die Ausbildungs-Arbeitsstätte, um dort praktische Kenntnisse sowie berufsrelevante Arbeitsabläufe zu erlernen.

Parallel dazu wird die Berufsschule besucht. Diese findet in der Regel in einem wöchentlichen Rhythmus statt. Ähnlich wie bei einem dualen Studium handelt es sich bei einer normalen Ausbildung also um ein duales System: Der Berufsschulbesuch und die betriebliche Ausbildungstätigkeit sind Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Abschluss.

 

Eine Frau schreibt etwas auf
Schulische Ausbildung

Bei der vollschulischen Ausbildung steht der Besuch der Schule im Vordergrund, um das Ausbildungsziel zu erreichen. In vielen Berufszweigen mit schulischer Ausbildung werden Praktika und/oder Anerkennungsjahre in einem Ausbildungsbetrieb verlangt. Diese finden pro Woche oder als Block über Wochen oder Monate statt. Ein Azubi durchläuft exakt den umgekehrten Prozess wie bei einer normalen kombinierten Ausbildung.

Gilt eine schulische Ausbidung als Berufsausbildung?

Zudem sind kombinierte Berufsausbildungen bundeseinheitlich geregelt und Ausbildungsinhalte in ganz Deutschland identisch. Prüfungen finden vor der IHK oder anderen Kammern statt. Schulische Ausbildungen sind in der Regel Ländersache und deshalb nicht grundsätzlich bundesweit anerkannt. Ausnahmen bilden hier zum Beispiel einige Meisterschulen, die ebenfalls ohne betriebliche Anstellung in Vollzeit-Schulunterricht das Ausbildungsziel erreichen lassen.

Kann jeder eine schulische Ausbildung machen?

Welcher Abschluss wird für eine vollschulische Ausbildung benötigt?

Jeder hat die Möglichkeit, eine schulische Ausbildung zu absolvieren. Jedoch muss der angehende Azubi je nach Beruf oder Branche einige Voraussetzungen erfüllen. Die meisten Schulen verlangen für den Beginn einer schulischen Ausbildung einen Realschulabschluss. In einigen Fällen besteht aber auch die Möglichkeit, mit einem Hauptschulabschluss genommen zu werden. Zusätzlich führen manche Schulen für die Aufnahme Eignungstests durch. Ein Mindesnotendurchschnitt ist eher selten Voraussetzung.

Zudem sind für einige Berufe, wie beispielsweise in der Gesundheits- oder Medizinbranche, die einwandfreie Gesundheit mittels Gesundheits-Zeugnis nachzuweisen.

In Abhängigkeit der Länder-Regelungen liegt das Mindestalter für eine schulische Ausbildung meist zwischen 16 Jahren und 18 Jahren.

Voraussetzungen für eine schulische Weiterbildung

Weiterbildungen in Form einer vollschulischen Ausbildung erfordern überwiegend eine abgeschlossene Berufsausbildung in derselben Branche, in der die Weiterbildung erwünscht ist. Voraussetzung für eine Meisterschule ist beispielsweise ein Gesellenbrief, der nach der normalen Berufsausbildung erteilt wird. Wer eine berufliche Zusatzqualifikation wie OP-Schwester absolvieren möchte, hat im Vorfeld die normale Ausbildung zur Krankenschwester erfolgreich abzuschließen. Zusätzlich sind anschließend einige Praxisjahre in dem Beruf aufzuweisen.

Berufe und Branchen mit schulischer Ausbildung

Welche Berufe können über eine schulische Ausbildung erlernt werden?

Im Folgenden sind Berufsbereiche beziehungsweise Berufsbranchen zu finden, die ausschließlich über eine schulische Ausbildung erlernt werden können. Diese schulischen Ausbildungen gibt es:

Liste rein schulischer Ausbildungsberufe

GesundheitswesenAlten-, Kranken- sowie Heilerziehungspflege, Logopädie, Ergo- sowie Physiotherapie
SozialwesenKindergärtner und andere Erzieherberufe sowie Assistenz im Sozial- und Gesundheitswesen
GestaltungMedien- und Kommunikationsdesign, Mode- und Textildesign sowie Assistenz in der Gestaltungtechnik
TechnikInformatikassistenz, Technische Assistenz in der Biologie, Medizin sowie Chemie
FremdsprachenFremdsprachenkorrespondenz sowie Dolmetscher
Weiterbildungen sowie Zusatzqualifikationenz.B. Management- und Direktionsassistenz, Betriebswirtschaft, Medizin- und Pflege, Meistertitel

Ablauf und Dauer einer schulischen Ausbildung

Wie lang ist die Dauer einer schulischen Ausbildung?

Die Dauer einer schulischen Ausbildung ist grundsätzlich abhängig von dem angestrebten Ausbildungsberuf sowie unter Umständen von der beruflichen Vorbildung und/oder des Schulabschlusses. In der Regel beträgt die Dauer zwischen einem und dreieinhalb Jahren.

Zur Auswahl stehen staatlich-öffentliche sowie private Berufsfachschulen. In manchen Berufsbereichen sind die Schulen Ausbildungsstätten angegliedert. Das ist beispielsweise bei Krankenhäusern der Fall, die überwiegend über eine eigene Berufsfachschule verfügen, wo Zusatzqualifikationen in schulischer Ausbildung erreichbar sind.

Zudem wird zwischen einer Grundbildung und Berufsausbildung unterschieden. Eine Grundbildung nimmt in der Regel ein bis zwei Jahre schulische Ausbildung in Anspruch. Eine berufsspezifische Ausbildung dauert hingegen zwischen zwei und dreieinhalb Jahre. Die schulische Ausbildung endet mit dem Bestehen schriftlicher sowie praktischer oder mündlicher Prüfungen.

Hinweis:

Im Falle einer Kündigung der schulischen Ausbildung, gilt es wie bei anderen Arbeits- und Ausbildungsveträgen auf die Kündigungsfristen zu achten.

Vergütung in der schulischen Ausbildung

Gibt es Geld bei einer schulischen Ausbildung?

Während bei einer kombinierten Berufsausbildung eine Vergütung gezahlt wird, erhält ein Schüler in der schulischen Ausbildung keine Bezahlung. Ausnahmen sind im Kranken- und Altenpflegebereich zu finden, wenn die schulische Ausbildung an einem Ausbildungsvertrag eines Krankenhauses oder einer Altenpflegeinstitution geknüpft ist. Hier bekommt der Azubi ein Gehalt während der schulischen Ausbildung gezahlt.

Für private Berufsfachschulen fallen in Deutschland in der Regel sogar Schulgebühren an, die der Azubi selbst zu tragen hat.

Achtung:

Da während einer schulischen Berufsausbildung keine Sozialabgaben geleistet werden, besteht kein Anspruch auf Arbeitslosengeld. Ob ein Anspruch auf Sozialhilfe (Hartz 4) besteht, hängt von der Bedürftigkeit des Azubis ab.

Förderung und Finanzierung der schulischen Berufsausbildung

In den meisten Fällen ist keine Vergütung während der schulischen Ausbildung zu erwarten. Trotzdem begleiten Kosten wie Lebensunterhalt, Schulbedarf sowie gegebenenfalls Schulgebühren die schulische Ausbildung, sodass im Vorfeld die Finanzierung bedacht werden muss.

Kindergeld in der schulischen Ausbildung

Bis zum 18. Lebensjahr wird von der Familienkasse das Kindergeld an die Eltern gezahlt. Darüer hinaus besteht ein Anspruch auf Kindergeld, wenn sich das Kind in der ersten Berufsausbildung befindet. Ein Anspruch auf Zahlung besteht bis zum Ende der Ausbildung.

Schulische Ausbildung und Förderung durch BAföG

Schüler können auf staatliche Unterstützung hoffen und BAföG beantragen. Ob und in welcher Höhe die Ausbildungsförderung gewährt wird, hängt von mehreren Faktoren ab:

    • Wohnsitz bei den Eltern oder Alleinlebend
    • Einkommen und Unterhaltspflicht der Eltern
    • Eigenes Einkommen über 450 Euro
    • Maximales förderungsfähiges Alter 30 Jahre
    • Über 30 Jahre alt nur nach Ausfallzeiten durch Krankheit, Schwangerschaft oder Pflege von Angehörigen
    • Es handelt sich um die Erstausbildung

Ein Azubi hat nur Anspruch auf BAföG, wenn er nicht mehr bei den Eltern lebt. Die Höhe des BAföG während einer schulischen Ausbildung hängt vom Einkommen der Eltern ab und beträgt maximal 504 Euro (Höchstsatz Grundbetrag). Ein Schüler-BAföG muss nach Abschluss der schulischen Ausbildung nicht zurückerstattet werden, wie das zum Beispiel bei einem Studium der Fall ist. Bei Studenten kommt es nämlich zur BAföG-Rückzahlung für einen Teil ihrer Förderung.

Tipp: Wenn du BAföG beziehst, erhälst du für deine schulische Ausbildung eine GEZ-Befreiung. Dazu musst du nur einen Nachweis an den Beitragsservice senden.

 

Förderung durch Bildungskredite

Bei einem Bildungskredit handelt es sich um ein Darlehen, welches für die schulische Ausbildung aufnehmen lässt. Es wird über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, gewährt und kann auch zusätzlich zum BAföG beantragt werden. Kreditsummen zwischen 1.000 Euro und 7.200 Euro sind möglich. Einmalauszahlungen bis zu 3.600 Euro sind für hohe Aufwendungen gedacht, wie zum Beispiel Schulgebühren oder teure Anschaffungskosten. Die Tilgung erfolgt über monatliche Ratenzahlungen plus Zinsen.

Ausbildungskredit für eine schulische Ausbildung

Die schulische Ausbildung ohne BAföG zu finanzieren oder ohne Förderung vom Jobcenter stemmen zu müssen, erfordert andere Formen der Finanzierung. Eine Möglichkeit zur finanziellen Unterstützung bei einer schulischen Ausbildung besteht in der Aufnahme eines Kredits.

Diese Form der Finanzierung für eine schulische Ausbildung ist an ein eigenes Einkommen gebunden. Das bedeutet, Kredite für Azubis werden von Banken und Sparkassen zwar gern gegeben, aber der Kreditnehmer hat über Einkünfte zu verfügen. BAföG sowie Kindergeld zählen nicht zum Einkommen. Die Zusammenarbeit mit einem zweiten Kreditnehmer ist eine Möglichkeit, die Chancen auf einen positiven Kreditantrag zu erhöhen.

Die Vorteile von Krediten für Auszubildende sind niedrige Zinsen und kleine Monatsraten. Letzteres ermöglicht Auszubildenden ihre finanzielle Belastung bei der Tilgung gering zu halten. Zudem ist der Kredit von VEXCASH für 30 Tage eine Lösung, wenn schnell und kurzfristig zur Überbrückung Geld benötigt wird.

Selbstständige Finanzierung durch einen Nebenjob

Neben der schulischen Ausbildung ist es dem Schüler erlaubt, einem Nebenjob nachzugehen. Werden staatliche Fördermittel zur finanziellen Unterstützung gewährt, darf der Nebenjob lediglich bis zu 20 Stunden in der Woche in Anspruch nehmen. Bei dem Bezug von BAföG existiert eine Verdienstgrenze: Bis zu 450 Euro darf der Azubi bei einer geringfügigen Beschäftigung dazuverdienen

Fahrtkostenzuschuss in der schulischen Ausbildung

Das Gehalt in der schulischen Ausbildung ist entweder sehr gering oder gar nicht vorhanden. Als Ausgleich können Azubis einen Zuschuss zu den Fahrtkosten für ihre schulische Ausbildung beim Arbeitgeber beantragen. Dieser kann im Anschluss einen Teil oder die gesamten Fahrtkosten übernehmen.

Wo besteht (meist) kein Anspruch auf Förderung in der schulischen Ausbildung?

Wohngeld bei schulischer Ausbildung

In der Regel besteht in der Ausbildung kein Anspruch auf Wohngeld. Das liegt daran, dass Azubis im Grunde einen Anspruch auf BAföG geltend machen können und damit der Anspruch auf Wohngeld verfällt. Werden die notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllt und damit kein BAföG bezogen, kann ein Antrag auf Wohngeld gestellt werden. Dieser wird aber nur in Ausnahmefällen bewilligt.

Schulische Ausbildung und Hartz 4

In einer schulischen Ausbildung verhält sich die Förderung vom Jobcenter ähnlich wie das Recht auf Wohngeld: Da grundsätzlich ein Anspruch auf BAföG-Bezug besteht, entfällt auch die Unterstützung vom Amt.

 

Vor- und Nachteile einer schulischen Ausbildung

Circa 20 Prozent der Jugendlichen und acht Prozent der Erwachsenen entscheiden sich nach ihrem Schulabschluss für einen Beruf, der über eine schulischen Ausbildung zu erlernen ist. Bei den vollschulischen Weiterbildungen gibt es kaum Kritik. Die schulische Berufsausbildung weist neben den Vorteilen einige Nachteile im Vergleich zu einer normalen kombinierten Berufsausbildung auf.

Pro und Contra einer schulischen Ausbildung

VorteileNachteile
Keine körperliche ArbeitAusbildung wird nicht in jedem Bundesland anerkannt
Vermehrte theoretische KenntnissePraktische Kenntnisse stehen den theoretischen hinten an
Förderungsfähig durch BAföGErlernen von sozialen und teamgebunden Arbeiten am Arbeitsplatz fehlen
Reguläre Unterrichtszeiten (Ausnahme Abendschulen)Soziale Kompetenz im Umgang mit Vorgesetzten wird nicht erlernt